Telekom-Chef Sommer VoiceStream-Deal wird klappen
Bonn - "Die 33-Euro-Thematik gibt VoiceStream ein Rücktrittsrecht, aber kein Verhandlungsrecht", sagte Sommer bei der Bilanzpressekonferenz der Telekom. Seit Monaten wird in der Öffentlichkeit diskutiert, ob die VoiceStream-Aktionäre ihre Papiere klaglos gegen die schwächelnde T-Aktie eintauschen werden.
Sommer zeigte sich optimistisch, dass die zuständigen US-Aufsichtsbehörden die Übernahme von VoiceStream bald genehmigen werden. Zum Umfang des "Retention"-Pakets, mit dem das VoiceStream-Management nach der Übernahme gehalten werden soll, wollte sich Sommer nicht äußern. Die Telekom zahle "marktgerechte Kompensationen".
Mobilfunk soll Gewinne bringen
Im ersten Quartal 2001 hat der Ex-Monopolist seinen Verlust reduziert und will im Gesamtjahr wieder einen Gewinn erwirtschaften. Ziel sei auch eine Umsatzsteigerung, und zwar um 15 Prozent. Vor allem der Mobilfunk soll zu dem Wachstum beitragen. T-Mobile werde den Ertrag voraussichtlich verdoppeln, sagte Sommer.
Im ersten Quartal 2001 stieg der Umsatz nach vorläufigen Zahlen um rund 16 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Berücksichtigt man die so genannten Goodwill-Kosten (das sind Überwert-Zahlungen bei der Übernahme von Unternehmen) und die Abschreibungen für UMTS, reduzierte sich der Konzernverlust von einer Milliarde Euro im vierten Quartal 2000 auf noch 0,4 Milliarden Euro. Für das Geschäftsjahr 2000 wollen Telekom-Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung am 29. Mai eine Dividende von unverändert 0,62 Euro pro Aktie vorschlagen.
Immobilien-Bewertung verteidigt
Sommer verteidigte erneut die Einschätzung der Immobilienwerte in den früheren Telekom-Bilanzen als korrekt. Sie sei von unabhängigen Sachverständigen bestätigt worden. Dennoch wolle sich die Telekom der öffentlichen Diskussion stellen. Er werde der Hauptversammlung die Bestellung eines weiteren unabhängigen Abschlussprüfers für 2001 vorschlagen. Mit diesem Vorschlag will Sommer bereits im Vorfeld der Versammlung Ende Mai die kritischen Aktionärsvertreter beruhigen. Eine Sonderprüfung, wie von einigen Aktionärsvertretern gefordert, lehnte der Telekom-Chef dagegen ab.
Nach Angaben von Finanzvorstand Gerhard Eick wird Ernst & Young der zweite Abschlussprüfer sein. Bislang habe die Telekom mit der US-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft keine Geschäftsbeziehungen gehabt. Sommer betonte erneut, dass die Bilanzen des Unternehmens stets korrekt und gewissenhaft aufgestellt wurden. Die Telekom und ihr Vorstandsvorsitzender waren im Februar in die Schusslinie der Kritik geraten, nachdem das Unternehmen den Wert ihrer Immobilien um zwei Milliarden Euro nach unten korrigiert hatte.
Gute Noten von der Börse
An der Börse schienen die Telekom-Zahlen zunächst gut anzukommen. Der Kurs der Aktie, nach Einschätzung Sommers derzeit ungerechtfertigt niedrig, verzeichnete einen Anstieg. Dresdner-Bank-Analyst Chris-Oliver Schickentanz erwartet einen Kurs der T-Aktie von 42 bis 45 Euro binnen Jahresfrist und empfahl: "Kaufen." Die Quartalszahlen hätten das positive Bild von der Telekom bestätigt. Obwohl das Unternehmen auch in den ersten drei Monaten diesen Jahres einen bereinigten Nettoverlust habe ausweisen müssen, "scheint die Trendwende geschafft", urteilte der Analyst.
Positiver Faktor sei unter anderem das besser als erwartet laufende Mobilfunkgeschäft, wobei dank sinkender Gerätesubventionen niedrigere Akquisitionskosten für Neukunden steigende Gewinnmargen garantierten, erläuterte Schickentanz. Zusammen mit der Ende April/Anfang Mai anstehenden Entscheidung der Wettbewerbsbehörden über die VoiceStream-Akquisition spreche auf Jahressicht einiges für ein deutlich höheres Kursniveau, auch wenn ein kurzfristiger Rückgang nach Abschluss der VoiceStream-Übernahme Ende Mai/Anfang Juni nicht auszuschließen sei.
Etwas skeptischer urteilte dagegen WGZ-Bank-Analyst Jörg Natrop. Die vorgelegten Daten zum ersten Quartal zeigten "ein gemischtes Bild", sagte der Branchenkenner. Die Umsätze lägen über den Erwartungen, das Nettoergebnis unter den Prognosen. Der Kurs der T-Aktie stieg zeitweise um 4,5 Prozent, doch bröckelte er danach wieder deutlich ab. Am Nachmittag lag das Plus der T-Aktie mit 0,69 Prozent unter dem Anstieg des Dax.
Rekordgewinn 2000
Im vergangenen Jahr hatte die Telekom vor allem aus der Abgabe von Beteiligungen, dem Teilverkauf des TV-Kabelnetzes und dem Börsengang von T-Online einen Konzernüberschuss von 5,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das war das beste Ergebnis in der Firmengeschichte. Wie viel es in diesem Jahr wird, ließ Sommer offen. Schließlich hängt das auch davon ab, ob die Tochterfirma T-Mobile noch an die Börse kommt. "Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen", betonte Sommer. Erst müsse die VoiceStream-Übernahme abgeschlossen werden.
Das verbleibende Kabelgeschäft will die Telekom spätestens bis Ende des dritten Quartals 2001 verkauft haben. Für das zweite Quartal erwartet Finanzchef Eick Einnahmen in Höhe von 2,7 Mrd. Euro aus dem Verkauf der Telekom-Beteiligung an Wind. Zudem soll bis dahin der Verkauf der Anteile an Sprint Fon abgeschlossen sein, die derzeit einen Marktwert von rund zwei Milliarden Euro haben. Das Unternehmen habe dann eine sehr große Bargeldreserve für die weitere Expansion.