Telekom Gefährdeter Vorstandschef Ricke will längere Arbeitszeit durchsetzen
München - Um einen weiteren Personalabbau in der kriselnden Festnetzsparte der Telekom zu vermeiden, verlangt Vorstandschef Kai-Uwe Ricke Zugeständnisse von den Mitarbeitern bei Kundendienst- und Call-Centern. "Wir wollen die Wochenarbeitszeit von 34 auf 38 Stunden anheben - ohne Stellen abzubauen", sagte Ricke dem Nachrichtenmagazin "Focus" laut einem Vorabbericht. Die 45.000 Mitarbeiter der beiden Abteilungen sollten aus der T-Com ausgegliedert werden und 2007 in die neue Gesellschaft T-Service und in eine Call-Center-Gesellschaft wechseln.
"Zudem möchten wir, dass die Arbeitszeit künftig nicht mehr beginnt, wenn der Mitarbeiter durch die Eingangspforte geht, sondern wenn er sich am Computer einloggt", sagte Ricke weiter. Darüber hinaus forderte er ein finanzielles Entgegenkommen. "Das bedeutet nicht zwangsläufig dramatische Schnitte beim Monatseinkommen", versicherte er. Eine Kürzungsmöglichkeit sehe er bei den Zulagen.
"Wir zahlen für Wochenendarbeit aufgrund von Tarifvereinbarungen das Doppelte, Wettbewerber nicht", sagte Ricke. Beim technischen Kundendienst könne die Telekom nicht zu Bedingungen arbeiten, die aus der alten Postzeit stammten.
Äußerst fraglich ist, ob die Ricke seine Pläne noch umsetzen kann. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE will Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel Ricke so schnell wie möglich los werden und durch T-Mobile-Chef René Obermann ersetzen. Noch am Wochenende sollen weitere entscheidende Gespräche geführt werden.
Der Schritt, heißt es in mit dem Fall betrauten Kreisen, sei offenbar mit den beiden Großaktionären Bund und dem Finanzinvestor Blackstone abgestimmt. Beide Anteilseigner hatten die Strategie Rickes bereits in den vergangenen Wochen mehr oder weniger deutlich kritisiert.
Dagegen hat Zumwinkel den restlichen Aufsichtsrat und vor allem die Arbeitnehmerseite offenbar noch nicht über seine Absichten unterrichtet. Dort weiß man bisher nicht einmal, dass eine Sondersitzung des Gremiums einberufen werden soll.
Sollte Zumwinkel seinen Plan tatsächlich umsetzen, ist zu erwarten, dass Ricke sein Amt mit sofortiger Wirkung zur Verfügung stellt und die Geschäfte an Obermann übergibt. Allerdings ist bisher völlig offen, ob der Handstreich zur Ablösung des Telekom-Chefs tatsächlich gelingt und Zumwinkel die notwendige Mehrheit im Kontrollgremium erhält.
Im Arbeitnehmerlager zumindest stößt der überraschende Plan auf Vorbehalte. Um die notwendigen Stimmen zu erhalten, heißt es dort, müsste ein Nachfolger erhebliche Zugeständnisse bei den Arbeitsplatzgarantien geben - und das wiederum dürfte bei dem von Ex-Telekom-Chef Ron Sommer beratenen Finanzinvestor Blackstone auf wenig Gegenliebe stoßen.
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