Telekom: Kabelnetz bringt nur 1,725 Milliarden - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Telekom Kabelnetz bringt nur 1,725 Milliarden

Die Deutsche Telekom hat ihr Kabelnetz endlich losbekommen. Der Verkaufspreis liegt jedoch weit unter den vorher in Aussicht gestellten Summen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Düsseldorf - Wie die Telekom in einer Ad-hoc-Mitteilung bestätigte, hat ein Finanzkonsortium bestehend aus dem Wagniskapitalgeber Apax Partners Inc., der Private Equity Sparte der Investmentbank Goldman Sachs und Providence Equity Partners Inc. das Kabel übernommnen.

Der Preis von 1,725 Milliarden Euro liegt unter dem von der Telekom erwarteten Summe. Finanzchef Karl-Gerhard Eick ging in seinen Plänen von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro aus. Er benötigt das Geld dringend, um den Schuldenberg der Telekom von derzeit rund 64 Milliarden Euro abzubauen.

Das Kabelnetz war einer der wichtigsten Posten auf der Verkaufsliste der Telekom. Rund zehn Millionen Haushalte können damit ihr Fernsehprogramm empfangen. Einzelne Regionalgesellschaften in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen waren bereits vor einigen Jahren verkauft worden.

Nach Einschätzung von Branchenfachleuten ist abzusehen, dass sich zahlreiche kleinere Kabelbetreiber und Unternehmen der Wohnungswirtschaft wegen der hohen Telekom-Gebühren vom Netz abkoppeln. Bereits bei zwei Drittel der rund zehn Millionen Kabelhaushalte überbrücken andere Anbieter mit ihren Netzen die letzten Meter zwischen dem Telekom-Netz und den Anschlussbuchsen in den Wohnungen.

Die Schätzungen gehen dahin, dass in den kommenden drei Jahren von den zehn Millionen Haushalten etwa vier Millionen verloren gehen. Geschwächt wurde die Verhandlungsposition der Telekom in den Verkaufsgesprächen auch durch die europaweite Krise der Kabelnetzbranche. Hochverschuldete Unternehmen wie die niederländische UPC und die britische NTL ringen wegen überteuerter Akquisitionen und hoher Modernisierungsinvestitionen ums Überleben.

Die Deutsche Telekom hatte deshalb in den vergangenen Jahren ihre Preisvorstellungen für das Netz bereits mehrfach nach unten korrigieren müssen. So wollte der amerikanische Konzern Liberty Media des Kabelunternehmers John Malone im vergangenen Jahr noch 5,5 Milliarden Euro bezahlen und damit gut drei Milliarden Euro mehr, als sich die Telekom heute erhofft. Malone scheiterte jedoch im Februar am Veto des Bundeskartellamtes.