Telekom-Kabelnetz: Malone flirtet wieder - DER SPIEGEL
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Telekom-Kabelnetz Malone flirtet wieder

Trotz eines Verbotes durch das Kartellamt träumt John "Kabel-Cowboy" Malone offenbar weiter vom deutschen Kabelnetz. Der US-Investor soll erneut mit der Deutschen Telekom über den Kauf verhandeln.
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Bonn - Wenn es schon nicht das ganze Netz sein kann, dann zumindest Teile davon: Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" interessiert sich Malones Konzern Liberty Media, der im vergangenen Jahr 5,5 Milliarden Euro für die Telekom  -Kabelnetze geboten hatte, nun für die Netze in Bayern und Norddeutschland. Im Norden erwäge Liberty ein Bündnis mit dem Kabelbetreiber Telecolumbus, einer Tochter der Deutschen Bank  . Malone war in Deutschland monatelang von der Bildfläche verschwunden, nachdem das Bundeskartellamt den Netzverkauf Ende Februar untersagt hatte. Seither ist der Ausbau der deutschen Kabelnetze ins Stocken geraten. Die Telekom hatte den Verkaufserlös bereits fest für den Schuldenabbau eingeplant.

Sollte Liberty einen neuen Anlauf nehmen, kann er auf Unterstützung der Politik rechnen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) hatte am Mittwoch gesagt, er wünsche sich, "dass die Amerikaner noch einmal über den Einstieg in Deutschland nachdenken". Zugleich solle Bundeskartellamt das Veto gegen Liberty überprüfen. "Wenn sich herausstellen sollte, dass ein Geschäftsmodell auf der einen Seite wettbewerbsrechtlich zulässig ist, sich aber langfristig nicht refinanzieren lässt, dann kann etwas mit den Parametern der Marktbeschreibung nicht stimmen", kritisierte Clement die Kartellbehörde. Er warnte davor, dass die Kabel zu einer "Investitionsruine" verkommen könnten.

"Große Zahl an Interessenten"

Liberty hätte nach einem Kauf der Telekom-Netze immerhin 60 Prozent des deutschen Kabelmarktes kontrolliert. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sind die Netze von Ish, in Hessen von iesy gekauft worden. Der Betreiber Ish, der zum Callahan-Konzern gehört, kämpft gegen technische und finanzielle Probleme.

Eigenen Angaben zufolge ist die Telekom jüngst bei den Verkaufsverhandlungen deutlich vorangekommen. Der Konzern habe neue Kandidaten für den Verkauf des Kabelnetzes ausgewählt und werde jetzt "in vertiefende Gespräche einsteigen", sagte Telekom-Vorstandsmitglied Gerd Tenzer am Mittwoch. Die ersten Gespräche sollten bis Ende Juli abgeschlossen sein.

Jahrelange Mühsal

"Es gibt eine große Anzahl an Interessenten, bei denen wir davon ausgehen, dass sie sowohl die finanziellen Mittel als auch das technische Wissen haben", sagte Tenzer. Er sei vorsichtig optimistisch, dass der Verkauf bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein könnte. Namen der Interessenten nannte Tenzer nicht. Die Telekom bevorzuge weiterhin den Verkauf aller sechs Kabelnetze an einen einzigen Käufer, sei aber auch für Angebote für einzelne Regionen oder kleinere Pakete offen.

Zum Verkauf stehen die TV-Kabelnetze in Ostdeutschland, Bayern, Rheinland-Pfalz, Norddeutschland und Berlin. Der Verkaufsprozess der Telekom-Kabelnetze war 1999 mit der Forderung der Europäischen Union eingeleitet worden, dass die Telekom als marktbeherrschendes Telekom-Unternehmen die Kabelnetze aus dem Konzern auszugliedern hat.

Eine Anregung, der die Telekom nicht erfreuen kann, kam vom Direktor der Landesanstalt für Rundfunk in Nordrhein-Westfalen, Norbert Schneider. Er schlug vor, der Erlös aus den Verkäufen der Kabelnetze solle nicht an die Telekom fließen, sondern für Investitionen in das Netz genutzt werden.