Telekom-Konzernumbau Einer wird verlieren
Bonn - Ab kommendem Jahr will das Unternehmen seine Aktivitäten nicht mehr auf die vier Säulen Festnetz, Mobilfunk, Internet und Systemgeschäft ausrichten. Künftig sind nur noch drei Wachstumsfelder definiert: Mobilfunk, Breitband und Geschäftskunden. Der Konzern bestätigte einen Bericht des "Handelsblatts".
Auch wenn ein Telekom-Sprecher sagte, von einem Konzernumbau könne nicht die Rede sein, so zeigen sich doch deutliche Änderungen: Zum einen ist der Bereich mit dem Arbeitstitel "Flächenvertriebe" neu hinzugekommen. Hier soll das Geschäft mit mittelgroßen Geschäftskunden gebündelt werden. Zum anderen sollen die Internet-Tochter T-Online und die Festnetzsparte T-Com in dem Bereich Breitband/Festnetz zusammengefasst werden.
Erneut wurde an der Börse die Spekulation laut, die Telekom könnte die Anteile ihrer Online-Tochter zurückkaufen. Obwohl Ricke dies in der Vergangenheit immer wieder ausgeschlossen hatte, legte die T-Online-Aktie deutlich zu und verbesserte sich um 3,9 Prozent auf 8,87 Euro. Der Kurs der Telekom stieg mit 0,6 Prozent auf 14,06 Euro dagegen nur leicht an.
Machtkämpfe zwischen den Sparten
Laut "Handelsblatt" will Ricke mit dem Umbau Rivalitäten zwischen den vier Konzernsparten beenden. "Die Säulen agieren sehr unkoordiniert, zum Schaden des Gesamtunternehmens", zitierte die Zeitung einen führenden Manager. Vor allem zwischen den Sparten Festnetz und Internet sei es in den vergangenen Monaten zu Machtkämpfen gekommen - etwa über die Zuständigkeit für Produkte wie drahtlose Internetzugänge oder die Internet-Musikplattform. Ähnliches gelte für die Divisionen Festnetz und IT-Dienste. Beim Anwerben von Geschäftskunden kämen sich diese Bereiche häufig in die Quere. Der Telekom-Sprecher räumte ein, bisher sei die Marktbearbeitung nicht optimal ausgeschöpft worden.
Außerdem wird Ricke dem "Handelblatt" zufolge den Vorstand der Telekom von sieben auf sechs Mitglieder verkleinern. Neben dem Vorstandschef sollen Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick und Personalvorstand Heinz Klinkhammer sowie Konrad Reiss, der Chef der IT-Dienste, und René Obermann, Chef von T-Mobile, im Vorstand verbleiben. Unklar sei allerdings, wer für die Festnetzsparte in den neuen Vorstand einzieht.
Nach Angaben der Telekom gibt es bisher noch keinerlei Personalscheidungen. Nach Informationen von manager magazin gibt es allerdings schon drei interne Kandidaten: T-Online-Chef Holtrop, Roland Kittel, Technik-Chef bei der T-Com, und Achim Berg, der bei der T-Com für den Bereich Marketing und Vertrieb zuständig ist.
In Unternehmenskreisen wird nach Informationen von manager magazin jedoch an einem Erfolg von Holtrops Bewerbung gezweifelt. Der T-Online-Chef würde damit aus dem Vorstand der Telekom ausscheiden. In der Branche wird dem Magazin zufolge bereits über eine externe Lösung spekuliert. Als Kandidat käme beispielsweise der Chef des französischen Mobilfunkunternehmens Cegetel, Frank Esser, in Frage. Doch sei Gesellschafter Vodafone daran interessiert, den Deutschen zu halten. Auch der Arcor-Vorstandsvorsitzende Harald Stöber werde als möglicher Kandidat gehandelt.