Telekom Müntefering rückt von Sommer ab
Berlin - Der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom muss nach Ansicht von SPD-Generalsekretär Franz Müntefering Konsequenzen angesichts des dramatischen Kursverfalls der T-Aktie ziehen. "Ich begegne natürlich vielen Menschen, auch in der eigenen Partei, die sagen: 'Da haben wir uns engagiert, da haben wir Aktien gekauft', und die jetzt sagen: 'Was ist denn da eigentlich los?'", so Müntefering am Mittwoch im "ZDF-Morgenmagazin".
Es gehe nicht um die Person des unter Druck geratenen Telekom-Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer, sondern um das Unternehmen insgesamt, "und da muss man sich schon Gedanken machen", sagte Müntefering. "Der Aufsichtsrat muss wissen, dass da Handlungsbedarf ist."
Am Dienstag hatten sich Spekulationen um Sommers Ablösung verdichtet. Einem Magazinbericht zufolge soll Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) dem ehemaligen VW-Chef Ferdinand Piëch die Telekom-Führung angeboten haben. Ein Sprecher Piëchs hatte dies dementiert. Der Bund hält noch rund 43 Prozent der Anteile an dem ehemaligen Staatsunternehmen Deutsche Telekom.
Finanzministerium: Spekulationen schaden der Telekom
Gleichzeitig erklärte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums, die Spekulationen um Führung und unternehmerische Entscheidungen der Telekom schadeten dem Unternehmen. Die Regierung werde sich nicht an den öffentlichen Debatten dazu beteiligen, erklärte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Jörg Müller am Mittwoch in Berlin.
"Die Entscheidungen über die Besetzung des Vorstandes der Deutschen Telekom, seiner Überprüfung und gegebenenfalls auch Kritik an Entscheidungen des Vorstandes obliegt einzig und alleine dem Aufsichtsrat der Deutschen Telekom", sagte er. Nur dieses Gremium selbst könne mit einer Stellungnahme über Entscheidungen im Unternehmen, gleich ob personeller oder operativer Art, öffentlich Position beziehen.
Henkel: Thema aus dem Wahlkampf heraus halten
Der stellvertretende Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, hat die Politik vor einer Einflussnahme auf die Telekom gewarnt. Zugleich sagte Henkel, das Telekommunikationsunternehmen stehe im Vergleich zu Wettbewerbern gut da und der Manager Ron Sommer habe auch eine Reihe guter Entscheidungen getroffen.
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"Der größten Schaden, den man jetzt anrichten kann, ist der, den Politikern Einfluss auf das Unternehmen zuzubilligen. Die sollten das Thema aus dem Wahlkampf heraus halten", sagte Henkel am Mittwoch im ZDF. "Die sollen die Finger davon lassen und sollen das dem Aufsichtsrat überlassen. Der Aufsichtsrat wurde von den Aktionären gewählt (...) und der Aufsichtsrat hat diese Pflicht zu erfüllen."
Bereits ein halbes Dutzend Manager sind als Sommer-Nachfolger im Gespräch
Lob für den Telekom-Chef
Henkel sagte, der Staat habe zwar als größter Aktionär der Telekom Einfluss. Aber dafür habe er zwei Mitglieder im Telekom-Aufsichtsrat sitzen. Vor allem ausländische Investoren würden sich Sorgen machen, wenn der Eindruck entstehe, man müsse auf zu viel Einflussnahme der Politik bei Unternehmen aufpassen. Kritik wie die des Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber (CSU), Bundeskanzler Schröder hätte jüngst eine kräftige Gehaltserhöhung im Telekom-Vorstand verhindern müssen, geht Henkel zufolge in die falsche Richtung. Schröder hätte sich hier nicht einmischen sollen und auch nicht einmischen können.
Henkel gab Sommer Rückendeckung: Es gebe es ein hervorragendes Fest- und Mobilfunknetz und ein Internet-Portal sei eingeführt worden. Dieses könnten andere Firmen in diesem Maße nicht anbieten. Und man müsse die Telekom auch im Vergleich zu ihren internationalen Konkurrenten betrachten. "Und in diesem Vergleich steht das Unternehmen (Telekom) gut da." Es gebe in der Wirtschaft immer mal Höhen und Tiefen. Schließlich liege derzeit die gesamte Telekommunikationsbranche am Boden.
Die Schuld, etwa über den hohen Telekom-Schuldenstand, allein auf Sommer zu schieben, sei falsch, sagte Henkel. Ein Teil der Sanierung des Staatshaushaltes sei letztlich auch von der Telekom durch den hohen Preis für die ersteigerten UMTS-Mobilfunklizenzen geleistet worden.
Spekulationen um mögliche Nachfolger
Zuvor hatte die "Wirtschaftswoche" gemeldet, Nachfolger Sommers solle auf Wunsch von Bundeskanzler Gerhard Schröder der frühere Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch werden. Sprecher der Bundesregierung und des Volkswagen-Konzerns in Berlin und Wolfsburg wiesen dies zurück. Schröder selbst verließ bei einer Pressekonferenz wortlos den Raum, als er darauf angesprochen wurde.
Auch Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) lehnte es ab, sich an der Personaldebatte zu beteiligen. Für solche Fragen sei nicht die Bundesregierung, sondern der Aufsichtsrat zuständig. Spekulationen, wonach er selbst als Nachfolger Sommers im Gespräch sei, bezeichnete er am Abend als "völligen Quatsch".
Die "Berliner Zeitung" nannte als mögliche Nachfolgekandidaten für Sommer den Chef von DaimlerChrysler Services, Klaus Mangold, den ThyssenKrupp-Aufsichtsrat Gerhard Cromme, sowie Jürgen Dormann, der die Hoechst AG sanierte und die Pharmasparte in die deutsch- französischen Nachfolgegesellschaft Aventis SA führte.