Telekom: Obermanns neuer Realismus - DER SPIEGEL
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Telekom Obermanns neuer Realismus

Der neue Telekom-Chef Obermann dämpft Erwartungen an das Sanierungstempo in der Festnetzsparte. Die Abwanderungswelle sei vorerst nicht zu stoppen. Auch sonst spart er nicht mit klaren Worten. Seinem neuen Vorstand stellte er außerdem ein Beratergremium zur Seite, das beim Sparen helfen soll.
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Bonn - Die Deutsche Telekom   kann ihre Kundenverluste im Festnetz nach den Worten von Vorstandschef René Obermann zunächst nicht aufhalten. Das Unternehmen sei nicht in der Lage, die Verluste von Festnetzanschlüssen kurzfristig zu stoppen, sagte Obermann in Bonn. "Wir können keine Wunder erwarten."

Die Telekom hatte allein in den ersten neun Monaten rund 1,5 Millionen Festnetzanschlüsse verloren. Dieser Trend lasse sich angesichts des harten Wettbewerbs und der Regulierungspolitik wohl nicht umkehren, erklärte Obermann. Der Konzern werde aber alles daran setzen, diese Entwicklung zu bremsen. "Mehr Gewicht auf Kundenbindung, besserer Service und günstigere Preise sind die richtigen Instrumente dafür", betonte er.

Der neu zusammengesetzte Vorstand werde nun gemeinsam an einer Langfriststrategie arbeiten, in deren Mittelpunkt die Kundenbedürfnisse stünden. Die Kernpunkte sollen im Frühjahr vorgestellt werden. Obermann präsentierte der Presse zudem seine neue Mannschaft. Der Aufsichtsrat hatte tags zuvor neue Vorstände für die Bereiche Festnetz und Mobilfunk ernannt, die zugleich übergreifende Funktionen etwa bei Vertrieb und Produktentwicklung wahrnehmen sollen. Demnach übernimmt Timotheus Höttges von Walter Raizner den Vorstandsposten für das Festnetz, neuer Chef von T-Mobile als Nachfolger Obermanns wird Hamid Akhavan.

Obermann bekräftigte vor der Presse, dass der bereits eingeläutete gemeinsame Marktauftritt von Festnetz und Mobilfunk in Deutschland erste Wirkung zeige. Die "kräftige Nachfrage" nach den im Herbst eingeführten neuen Tarifen bei T-Com und T-Mobile zeige, "dass das Bild der in Scharen davonlaufenden Kunden schief und einseitig ist", sagte der Vorstandsvorsitzende. "Deutschland ist der größte Markt und unsere größte Herausforderung zugleich", sagte Obermann.

Beratergremium ergänzt Vorstand

Überdies kündigte Obermann an, dass dem Vorstand künftig ein fünfköpfiges Beratergremium aus internen Managern und Fachleuten von außen zur Seite gestellt werde. Der Telekom-Manager Dietmar Welslau werde darin Vorstandsbeauftragter für die Themen Personalumbau und Beschäftigungssicherung. Der Chef der österreichischen Mobilfunktochter, Georg Pölzl, sei zum Programmleiter für ein konzernweites Effizienzprogramm berufen worden, das bis 2010 zu Einsparungen von fünf Milliarden Euro führen solle und den Namen "Safe for Service" trage.

Als weiteres hausinternes Mitglied zieht der Leiter des US-Mobilfunkgeschäfts, Robert Dotson, in das Gremium ein. Der "ausgewiesene Marketingexperte" werde in "strategischen Fragen" konsultiert, sagte Obermann ohne nähere Erläuterung. Tags zuvor hatte die Telekom bekannt gegeben, dass Dotson im Zuge des Vorstandsumbaus künftig direkt an Obermann berichtet. T-Mobile USA ist damit nicht mehr dem Mobilfunkvorstand, sondern dem Konzernchef direkt zugeordnet.

Außerdem holte Obermann zwei externe Fachleute an Bord. Der frühere Deutschlandchef der Unternehmensberatung McKinsey, Jürgen Kluge, werde ebenfalls an der strategischen Ausrichtung der Telekom mitarbeiten. Tonio Kröger, der die zweitgrößte deutsche Werbegruppe DDB leitet, solle den Vorstand in Fragen des Markenauftritts beraten.

Festhalten an Toll Collect

Beim Service des Konzerns sieht Obermann allerdings "massiven Verbesserungsbedarf". Die IT-Prozesse seien veraltet, sagte der Telekom-Chef. Die Service-Optimierung sei allerdings nicht eine Sache von "wenigen Monaten", so Obermann: "Wir brauchen dazu Zeit" . Sein Vorgänger Kai-Uwe Ricke hatte Anfang September das Ziel ausgegeben, die Deutsche Telekom   bis 2008 zum besten Dienstleister der Branche in Europa zu machen.

Ansonsten bemühte sich Obermann heute, seine Strategie etwas genauer zu umreißen und ging auf verschiedene Gerüchte ein, die in den letzten Tagen aufgekommen waren. An der Beteiligung am Mautbetreiberkonsortium Toll Collect wolle die Telekom festhalten, erklärte der Konzern etwa. In den vergangenen Tagen hatte es Presseberichte gegeben, die Telekom wolle sich von dem Toll-Collect-Anteil trennen. An der Mautgesellschaft sind auch DaimlerChrysler   und der französische Autobahnbetreiber Cofiroute beteiligt.

VDSL-Netz soll ausgebaut werden wie geplant

Auch am Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes VDSL will der neue Telekom-Chef festhalten: Die Telekom wolle mit Wettbewerbern über Zugangsbedingungen sprechen. Ziel sei es, die Auslastung des neuen Glasfasernetzes zu verbessern. Der Bundestag hatte vor einer Woche einen Regulierungsschutz für neue Märkte in der Telekommunikationsbranche beschlossen. Obermann bezeichnete die umstrittene Novelle als guten Kompromiss. Konkurrenten hatten das Gesetz als "Lex Telekom" kritisiert, das den Zugang zum VDSL-Netz verschließe und damit ein neues Monopol schaffe. Die EU-Kommission droht deshalb sogar mit einer Klage gegen die Bundesrepublik.

Nach bisherigen Plänen will die Deutsche Telekom   das VDSL-Netz für insgesamt drei Milliarden Euro auf 50 Städte ausdehnen und damit ihre Übertragungsgeschwindigkeit auf bis zu 50 Megabit in der Sekunde erhöhen.

ase/mmo/ddp/dow jones/dpa/reuters