Telekom Obermanns Tag X
Bonn - Morgen soll es erstmal ums große Ganze gehen: Dann wird der neue Telekom-Chef René Obermann dem Aufsichtsrat präsentieren, wie er sich die Zukunft des Konzerns vorstellt. Allerdings ist durchaus wahrscheinlich, dass seine Pläne für einige Telekom-Manager dann auch bald ziemlich konkret werden. Obermann gilt in der Branche als jemand, der keine halben Sachen macht.
Zumindest einige Personalien scheinen in nächster Zeit anzustehen. So wolle unter anderem Personalvorstand Heinz Klinkhammer schon zum Ende des Jahres das Handtuch schmeißen - obwohl sein Vertrag eigentlich noch bis Herbst 2008 geht, berichtet das "Handelsblatt". Klinkhammer gelte als amtsmüde. Als mögliche Nachfolgerin Klinkhammers gilt Regine Büttner, bisher für internationale Personalentwicklung zuständig. Büttner ist aber im Aufsichtsrat umstritten. Klinkhammer selbst hat den bisherigen T-Com-Personalchef Dietmar Welslau als Personalvorstand vorgeschlagen, wie es in der Presse hieß.
Als wahrscheinlich gilt nach Berichten in mehreren Zeitungen auch, die Ablösung des Chefs der Festnetzsparte T-Com, Walter Raizner. Ihm werde der Verlust von inzwischen mehr als 1,5 Millionen Festnetzkunden im laufenden Jahr angelastet. Nachfolger solle der Service- und Vertriebschef von T-Mobile International, Timotheus Höttges, werden. Neu besetzt werden muss außerdem der Mobilfunk-Vorstand: Als Chef von T-Mobile International verantwortete bisher Obermann diesen Bereich im Vorstand des Gesamtkonzerns.
Permanente Reformen bringen Unruhe
Analysten warnten vor einem massiven Konzernumbau und rieten Obermann zu kleineren Schritten. Der Berliner "Tagesspiegel" zitierte Jochen Reichert von SES Research mit der Aussage, permanentes Restrukturieren und Reorganisieren bringe zu viel Unruhe in den Konzern. Auch Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim erklärte, durch eine Neuorganisation wäre der Konzern mehrere Monate nur mit sich selbst beschäftigt. "Das kann man nicht machen, wenn man die Wettbewerber im Nacken sitzen hat."
Die Analysten wandten sich beispielsweise gegen eine Zusammenlegung der Sparten T-Com und T-Mobile, über die in den vergangenen Tagen verschiedentlich spekuliert worden war. "Das verursacht viel Wirbel und bringt nichts", sagte Rothauge nach Angaben der Zeitung. Sogleich versuchte man aus dem Konzern gegenzusteuern: Auch für die kommenden Jahre sei keine Verschmelzung der beiden Sparten geplant, kolportierten Insider anonym. Ziel sei lediglich eine verbesserte Zusammenarbeit.
Eine umfassende Änderungen der vom früheren Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke aufgesetzten Strategie sei außerdem nicht geplant - schon weil Obermann sein Amt ja erst vor drei Wochen übernommen habe. Erst auf der Aufsichtsratssitzung im Februar kommenden Jahres werde Obermann nach derzeitigem Stand weitere Details seiner Strategie präsentieren.
Handlungsspielraum Obermanns ist eingeschränkt
Nachdem der Konzern erst Anfang 2005 auf die Struktur mit drei Geschäftsfeldern wechselte, ist tatsächlich fraglich, wie radikal ein Umbau noch ausfallen kann. Denn Obermann steckt in den gleichen Zwängen wie sein Vorgänger: Er muss den Spagat schaffen zwischen den Interessen des Finanzinvestors Blackstone, des Großaktionärs Bund und der Arbeitnehmer, die im Aufsichtsrat über seine und die Telekom-Zukunft entscheiden. Auch wenn die Investoren einen steigenden Aktienkurs sehen wollen - ein massiver Personalabbau zur Kostensenkung käme der Regierung sicher ungelegen, die Arbeitnehmer sind sowieso dagegen.
Fünf Milliarden Euro hatte Ricke als Sparziel bis 2010 ausgerufen. Um langfristig Beschäftigung im Service zu sichern, sollen nach bisherigen Plänen von Personalvorstand Heinz Klinkhammer 45.000 Beschäftigte aus der Festnetzsparte T-Com in eigene Gesellschaften ausgegliedert werden und auf Gehalt verzichten. Die Alternative ist die Auslagerung von Arbeitsplätzen an dritte Unternehmen.
ase/AFP/dpa-AFX/Reuters