Telekom-Proteste: Streik hinterlässt erste Spuren - DER SPIEGEL
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Telekom-Proteste Streik hinterlässt erste Spuren

Der Streik kennt keine Pause: Auch am Vatertag legten in ganz Deutschland mehrere hundert Telekom-Beschäftigte die Arbeite nieder. Laut Gewerkschaftsangaben führt das inzwischen zu "riesigen Auftragsrückständen".
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Düsseldorf - Bundesweit legten auch heute 500 Callcenter- und Service-Mitarbeiter die Arbeit nieder, wie Ver.di mitteilte. Für Freitag sind wieder Arbeitsniederlegungen geplant, wegen des Brückentags allerdings nur mit rund 7000 Mitarbeitern. Am Mittwoch hatten sich laut Ver.di 15.000 Beschäftigte im gesamten Bundesgebiet beteiligt.

Bewegung bei den Tarifparteien ist indes nicht in Sicht: Ver.di wies die Aufforderung des Konzerns nach neuen Gesprächen zurück. Zuvor müsse die Telekom ein deutlich verbessertes Angebot vorlegen, sagte ver.di-Verhandlungsführer Lothar Schröder. Schröder und Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick, die sich in fünf erfolglosen Tarifverhandlungsrunden gegenübergesessen hatten, trafen sich gestern zu einem Streitgespräch im ARD-Morgenmagazin. Eick betonte, er lade auf der Basis des zuletzt vorgelegten Angebots die Gewerkschaft jederzeit zur Fortsetzung der Gespräche ein.

Schröder zeigte dazu keine Bereitschaft. Er sagte, es sei "wirklich etwas absurd", wenn das Unternehmen auf der Basis des Angebotes weiterverhandeln wolle, das Ursache für den Streik sei. Die Gewerkschaft verlange Gespräche über die Sicherung der bisherigen Konditionen auch in den geplanten neuen Unterfirmen.

In dem Streit geht es um Pläne des Vorstands, 50.000 T-Com-Jobs in Service-Gesellschaften auszulagern. Dort sollen die Mitarbeiter neun Prozent weniger verdienen und zugleich 38 statt 34 Stunden pro Woche arbeiten. Eick hob hervor, dass mit dem Angebot ein Kündigungsschutz bis Ende 2011 verbunden sei. Er bekräftigte, der Konzernumbau sei nötig, um für die Beschäftigung langfristige Perspektiven bei wettbewerbsfähigen Konditionen zu schaffen.

Auslagerung auch ohne Tarifeinigung

In Verhandlungskreisen hieß es, die kommende Woche könne entscheidend werden. Die Telekom verfolge unverändert den Plan, die Auslagerung von T-Service zum 1. Juli zu vollziehen. Das gehe auch ohne Tarifeinigung. Allerdings müssten die Beschäftigten laut Bürgerlichem Gesetzbuch vier Wochen zuvor über die künftigen Arbeitsbedingungen schriftlich informiert werden, damit sie von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen könnten. Deshalb müsste bis Pfingstmontag eine Einigung erreicht werden, mutmaßen die Kreise.

Die Folgen des nunmehr einwöchigen Streiks bei der Deutschen Telekom   werden immer deutlicher. Inzwischen gebe es riesige Auftragsrückstände, und die Hotlines der Telekom seien fast nicht mehr zu erreichen, sagte der Sprecher der Dienstleistungsgesellschaft Ver.di, Ado Wilhelm. Auf Neuanschlüsse müssten die Kunden zurzeit sechs Wochen warten.

Dass die Telekom die Auswirkungen des Streiks spüre, bestätigte auch Telekom-Sprecherin Corinna Kielwein. "Auswirkungen sind natürlich da", sagte sie. Eine Nebenwirkung des Streiks sei auch, dass auch die T-Punkte genannten Läden der Telekom weniger besucht seien, da die Kunden offenbar glaubten, auch diese würden bestreikt.

Der Branchenverband Breko beklagte unterdessen Auswirkungen des Streiks auch auf die Konkurrenten der Telekom. Bei der Umschaltung von ehemaligen Telekom-Kunden zu den Wettbewerbern komme es zu Verzögerungen. Dies gelte auch für Entstörungen der von der Telekom vermieteten Leitungen auf der "letzten Meile" zu den Kunden, erklärte der Verband. Die Telekom verweigere jeglichen Schadenersatz. Breko-Geschäftsführer Rainer Lüddemann sagte, man werde sehr genau darauf achten, ob sich die Streikmaßnahmen gezielt gegen Wettbewerber der Telekom richteten.

Von Joachim Sondermann / AP