Telekom: Rickes lahmende Cash-Maschine - DER SPIEGEL
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Telekom Rickes lahmende Cash-Maschine

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als designierter Telekom-Chef versucht Kai-Uwe Ricke gar nicht erst, es seinem einstigen Mentor Ron Sommer nachzutun. Er sprach nicht von faszinierenden Perspektiven, sondern von Schmerzen und alten Zöpfen.
Von Carsten Matthäus
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Bonn - Zunächst gab es ein paar väterliche Scherze von den alten Herren: Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus sagte, der neue Vorstandsvorsitzende sei ein "bekannter Hund" , und seine Abstammung vom einstigen Telekom-Chef Helmut Ricke "spielte bei der Wahl keine Rolle". Interims-Vorstandschef Helmut Sihler, der sein Amt offiziell am Freitag an Kai-Uwe Ricke übergibt, spielte auf dessen 41 Jahre Lebensalter an: "Er ist vielleicht sehr jung, was aber ein Fehler ist, der ständig besser wird".

Doch als Kai-Uwe Ricke zu reden anfing, war es mit Scherzen schlagartig vorbei. "Die Lage der Deutschen Telekom ist ernst", waren die ersten Worte des designierten Telekom-Chefs und das war dann auch das Thema seiner gesamten Rede. Er sprach von einem "schonungslosen und konsequenten Umbau der Telekom", von "Entscheidungen, die schmerzen werden" und von alten Zöpfen, die abgeschnitten werden müssten.

Dass dabei nicht mit der kleinen Schere gearbeitet wird, daran ließen Ricke und seine Kollegen keinen Zweifel: Sihler kündigte den Abbau von 54.700 Stellen bis zum Jahresende 2005 an. Allein in Deutschland sollen 42.500 Stellen gestrichen werden. Außerdem bekommen die Aktionäre dieses Jahr keine Dividende und die Festnetzsparte will dadurch mehr einnehmen, dass sie den Anschlusspreis erhöht. Darüber hinaus sollen Verkäufe von wenig rentablen Geschäftsbereichen nach den Vorstellungen von Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick zwischen sechs und acht Milliarden Euro in die Telekom-Kasse spülen. Davon sollen 2,3 Milliarden Euro allein durch den Verkauf der verbliebenen sechs Kabelfernsehnetze hereinkommen, und das noch im ersten Quartal 2003.

Auch für Teile der Geschäfte von T-Systems sucht die Telekom derzeit nach Partnern. Das inzwischen zu T-Mobile USA umbenannte VoiceStream könnte außerdem bald in einer Fusion aufgehen. Ein Verkauf der in den Büchern geradeauf 16 Milliarden Euro wertberichtigten, im Mai 2001 für 39 Milliarden Euro erworbenen US-Tochter stehe allerdings nicht zur Debatte. Ricke, selbst für den teueren Kauf verantwortlich, ist nach eigenen Worten nun für eine Fusion aufgeschlossen, aber "nicht um jeden Preis".

Sein Rezept für die Sanierung des immer noch mit 64 Milliarden Euro verschuldeten Bonner Riesen brachte der Telekom-Chef auf die nüchterne Formel: "Unsere Zukunft heißt Entschuldung und organisches Wachstum". Anders gesagt macht Ricke Schluss mit den wolkigen Visionen seines einstigen Ziehvaters Ron Sommer, der ihn im Mai 2001 in den Telekom-Vorstand geholt hatte. Parallelen zu dem langjährigen Chef, der im Juli diesen Jahre unsanft vor die Tür gesetzt wurde, erstickte Ricke im Keim. Auf die Frage eines Journalisten: "Warum eigentlich musste Sommer denn gehen?", sagte der neue Chef: "Ich werde mich nicht über Herrn Sommer oder irgendjemanden äußern. Ich treffe meine eigenen Entscheidungen und blicke nach vorn", und schaltete sein Mikrofon wieder ab. Thema beendet, hieß das. Auch zu den Gewerkschaften ging er noch vor Beginn seiner Amtszeit verbal auf Distanz. "Ich bin nicht der Erfüllungsgehilfe von irgendjemand", sagte er und spielte damit auf Medienberichte an, die ihn als Wunschkandidat der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat bezeichnet hatten.

Unangenehm könnte Rickes Sanierungskurs für die Mitarbeiter der Bonner Konzernzentrale werden. Ricke hält zwar an der von Sommer eingeführten Vier-Säulen-Strategie fest, die einzelnen Geschäftsfelder T-Com, T-Mobile, T-Online und T-Systems sollen aber wieder mehr Verantwortung und Entscheidungsbefugnisse erhalten - zu Lasten der Zentrale. Auch eine Verkleinerung des Konzernvorstands deutete der neue Vorstandschef an, wollte aber nicht konkreter werden.

Rickes Vision ist seinen eigenen Worten zufolge, die Telekom zu einer "Cash-Maschine" zu machen. Wie das aussehen soll, machte er am größten Umsatzbringer, die Festnetzsparte T-Com, deutlich. Von dem Bereich verlagt er "massive Einsparungen bei gleichzeitiger Verbesserung der Servicequalität". Auch bei den anderen Geschäftsfeldern muss Ricke zufolge alles besser werden und weniger kosten. Langwierigen Abstimmungsprozessen und lähmenden Abteilungskämpfen sagte Ricke den Kampf an. "Der Markt entscheidet, nicht die Zentrale," gab er als Parole aus. Um auch dem letzten Zuhörer klarzumachen, dass nun ein Sanierer das Heft in der Hand hat, sprach der designierte Konzernchef in jedem zweiten Satz von Effizienz, Optimierung und Verschlankung. Seine Ausführungen zur neuen Konzernstrategie beendete er mit den Worten: "Wir müssen jetzt machen".