Telekom Sommer verfehlt das Thema
Frankfurt am Main - In seinem "Offenen Brief an die Aktionärinnen und Aktionäre" macht Sommer äußere Umstände für den jüngsten Kurseinbruch der T-Aktien verantwortlich. "Eine Tatsache steht dabei zu Recht außerhalb jeder Kritik - und das ist die außerordentlich positive unternehmerische Entwicklung der Deutschen Telekom", so der Telekom-Chef. Als Beleg dafür nannte er die Steigerung des Konzernumsatzes und die Verbesserung des Konzernüberschusses. Der Brief wurde als ganzseitige Anzeige in mehreren überregionalen Zeitungen veröffentlicht.
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Auf die aktuellen Kursrisiken ging Sommer allerdings nicht ein. Mit keinem Wort erwähnte er die millionenschweren Aktienpakete, die ehemalige VoiceStream-Aktionäre in naher Zukunft verkaufen dürfen. Nach Expertenmeinung stehen bei der Telekom bald weitere Großverkäufe an. "Es wird sich immer ein Großinvestor finden, der entweder wegen eigner Kapitalknappheit bei fallenden Kursen oder auf Grund erreichter Kursgewinne bei freundlichem Börsenklima Aktien im großen Stil abstößt", sagt Telekom-Analyst Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. Seiner Ansicht nach steht die Telekom dem Verkauf großer Aktienpakete weitgehend hilflos gegenüber.
Die durch die VoiceStream-Übernahme entstandenen Großaktionäre der Telekom wie der Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa, der finnische Telekom-Konzern Sonera, die US-Investmentbank Goldman Sachs oder die US-Anlagegesellschaft TDS können sich ab Anfang September beziehungsweise Dezember von zusammengerechnet mehr als einer halben Milliarde Aktien trennen, die knapp ein Achtel des Telekom-Kapitals ausmachen.
Dieser mögliche Rückfluss von Papieren, mit denen die Telekom ihre Übernahmen in den USA größtenteils bezahlt hat, schwebt nun wie ein Damokles-Schwert über der T-Aktie.
Vor Abschluss der US-Übernahmen hatte Sommer nach Konsultationen mit sechs führenden Investmentbanken das Ausmaß des erwarteten Aktienrückflusses noch als zu vernachlässigende Größe abgetan. Dies hängt aber davon ab, ob die neuen Telekom-Großaktionäre willens sind, die T-Aktie zu halten. In Bankenkreisen ist man da skeptisch: "Sommer hat es auf seiner weltweiten Werbetour nicht geschafft, US-Investoren davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, die Telekom-Aktien zu halten", sagte ein Fondsmanager.
An der Frankfurter Börse gehörte die T-Aktie wieder zu den Verlierern. Bis zum späten Vormittag gab das Papier rund eineinhalb Prozent ab und notierte bei 19,60 Euro.