Telekom T-Mobile bleibt in der Warteschleife
Bonn - "Wenn wir mit T-Mobile an die Börse gehen, müssen alle Aktivitäten ausreichend im Börsenprospekt beschrieben sein, so dass der potenzielle Aktionär sich ein Bild machen kann, was er kauft", erklärte Telekom-Sprecher Ulrich Lissek am Mittwoch. Die Einarbeitung von VoiceStream in den Prospekt sei jedoch wegen der unterschiedlichen Bilanzierungsrichtlinien in Deutschland und den USA "außerordentlich kompliziert" und bis zum Herbst nicht machbar.
Außerdem will Europas größter Telekommunikationskonzern nach eigener Aussage die gestiegenen Informationsbedürfnisse potenzieller Aktionäre an die Darstellung der künftigen Ausrichtung des Mobilfunk-Geschäftes der Deutschen Telekom und vor allem der T-Mobile International AG berücksichtigen. Dabei werde es auch darum gehen, die Wachstums- und Synergiepotenziale der in den Medien viel gescholtenen VoiceStream-Übernahme deutlich zu machen.
Ein neuer Termin für den Börsengang steht noch nicht fest. Doch sagte Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick gegenüber dem Wirtschaftsmagazin "Capital", eine Verschiebung der Offerte bis in den Winter sei eine der diskutierten Varianten. Die Börse reagierte positiv auf die Ankündigung. Der Kurs der T-Aktie stieg um knapp vier Prozent.
Ursprünglich hatte das Jahr 2000 das Jahr der Telekom-Börsengänge werden sollen: erst die erfolgreiche Platzierung von T-Online, dann die dritte Tranche der Telekom-Aktien und zuletzt - als krönender Abschluss - T-Mobile. Doch machte Telekom-Chef Ron Sommer sich nun mit seinem lange ersehnten Schritt nach Amerika selbst einen Strich durch die Rechnung.
Die Übernahme von VoiceStream ist ohnehin noch nicht in trockenen Tüchern. Denn die Telekom kämpft nicht nur gegen Vorbehalte in der amerikanischen Politik. Sie muss sich auch vor einem weiteren Absinken des eigenen Börsenkurses fürchten.
Wie Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick dem Wirtschaftsmagazin "Capital" bestätigte, können die Aktionäre des US-Unternehmens das Übernahmeangebot der Telekom doch noch ablehnen, falls der Börsenkurs des Ex-Monopolisten im kommenden Frühjahr unter 33 Euro liegen und der Kaufpreis damit unter 77 Milliarden Mark sinken sollte.
Die T-Aktie war nach Bekanntwerden des Kaufangebotes, das den Umtausch einer VoiceStream-Aktie gegen 3,2 Telekom-Aktien plus Barausgleich von 30 Dollar vorsieht, bereits stark unter Druck geraten. Am Mittwoch lag die T-Aktie jedoch mit mehr als 46 Euro weit über dem Grenzwert. Analysten halten die T-Aktie überdies momentan für unterbewertet.