Telekom-Tarifstreit Bsirske fordert Machtwort
Hamburg - "Der Bund darf nicht nur die Höhe der Dividende sehen, sondern muss auch die soziale Ausgewogenheit bei der Telekom im Blick haben", sagte Frank Bsirske der "Welt am Sonntag". Die Beschäftigten erwarteten daher, dass die Bundesregierung mäßigend auf das Management einwirke, um von der Konfrontation wieder zum Dialog zurückzukehren. Wenn es in der kommenden Woche nicht noch zu einer Einigung komme, sei ein Streik unausweichlich.
Unterdessen warnte Telekom -Chef René Obermann vor einer Zerschlagung des Konzerns: "Grundsätzlich ist es immer möglich, dass ein niedrig bewertetes Unternehmen übernommen und zerschlagen wird, weil die Einzelteile mehr wert sind als das Ganze", sagte der Vorstandsvorsitzende dem selben Blatt. Diese Gefahr könne er auch für die Telekom nicht ausschließen - allerdings stünden die jetzigen großen Anteilseigner hinter dem Management.
Obermann warf Ver.di in dem Tarifstreit verantwortungsloses Handeln vor. Er wisse nicht, welche Motivation dahinter stecke. "Ich stelle nur fest: Wir haben für die Mitarbeiter ein langfristiges Ziel, das heißt: Arbeitsplätze sichern", sagte der Konzernchef. Die Gewerkschaft habe dagegen ein kurzfristiges Ziel, das heiße: Besitzstände wahren. In Einzelgesprächen mit führenden Gewerkschaftern habe sich gezeigt, dass auch die Arbeitnehmervertreter durchaus die Argumente für die Auslagerung verstehen würden, betonte Obermann.
Dagegen sprach Bsirske von einem Fehlverhalten des Telekom-Vorstands. Erfolg erreiche man nicht, indem man die Beschäftigten beleidige, beschimpfe und bedrohe. "Da hilft am Ende möglicherweise nur der Arbeitskampf, damit der Telekom-Vorstand seinen Kurs ändert und zurückfindet zu einer Erfolg versprechenden Perspektive für das Unternehmen wie für die Beschäftigten", sagte Bsirske. Ein Sanierungskonzept nach dem Motto "Rendite rauf, Löhne runter, Arbeitsplätze weg" sei eine Zumutung und eine Provokation.
sam/AP