Telekom und Ver.di: In Trippelschritten zur Einigung - DER SPIEGEL
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Telekom und Ver.di In Trippelschritten zur Einigung

Die Unterhändler von Telekom und Ver.di setzen heute ihre Verhandlungen fort. Viel Spielraum bleibt ihnen nicht. Es kann nur noch darum gehen, ein Papier zu formulieren, mit dem beide Seiten das Gesicht wahren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin/Bad Neuenahr - Nach viereinhalb Wochen Streik haben gestern Telekom und Ver.di wieder Gespräche aufgenommen. Und die Kontrahenten bewegen sich in winzigen Trippelschritten aufeinander zu. In einem Punkt sind sich Ver.di und Telekomchef René Obermann inzwischen handelseinig: Die Gewerkschaft schickt nur einen Teil der Streikenden wieder zur Arbeit; im Gegenzug schiebt der Konzernvorstand sein Vorhaben auf, Informationsbriefe an die Mitarbeiter zu verschicken, die über die Arbeitsverträge der künftigen Servicegesellschaft aufklärt - über die, die ohne eine Einigung mit Ver.di zustande kommen würden.

Die Verabredung - so geringfügig sie auch sein mag - bedeutet schon viel. Signalisiert sie doch, dass Bewegung möglich ist, auch nach fast fünf Wochen aggressiver Rhetorik. Lange Zeit hatten beide Seiten auf ihren Maximalpositionen beharrt. Erst in der vergangenen Woche, nach einem neuerlichen Vorstoß von Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger, weichten die Fronten ein wenig auf.

Dennoch sind die Verhandlungen nach Überzeugung von Beobachtern schwierig. Denn Konzernspitze und Arbeitnehmer liegen in zentralen Punkten noch immer meilenweit auseinander. Grundsätzlich dürfte die Linie zwar klar sein, doch es geht um viele Regelungen im Detail - und darum, das Gesicht zu wahren.

"Im Großen und Ganzen gibt der jüngste Kompromissvorschlag von Sattelberger einen Hinweis darauf, wie eine Einigung aussehen könnte", schätzt Frank Rothauge, Leiter des Analysten-Teams für den Bereich Telekommunikation beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Jetzt gehe es noch um Kleinigkeiten und um die Frage, wie man das Verhandlungsergebnis der eigenen Klientel am besten verkaufen könne.

Mobilisierung der Politik gescheitert

Nach außen hin dürfte Ver.di damit größere Schwierigkeiten haben als Obermann. Denn die Ausgliederung der 50.000 Mitarbeiter in eine eigene Servicegesellschaft und schlechtere Konditionen in den Arbeitsverträgen werden sich nicht mehr verhindern lassen. Rein rechtlich bestand in diesem Punkt ohnehin nie eine Chance. Möglicherweise hofften die Ver.di-Strategen, mit dem Streik die Politik gegen den Telekom-Vorstand mobilisieren zu können. Doch das Echo hielt sich, zumindest öffentlich wahrnehmbar, in Grenzen.

Erreicht haben die Arbeitnehmer nach Überzeugung von Rothauge dennoch viel: "Die Einkommenseinbußen fallen erheblich geringer aus, als ursprünglich von Obermann gefordert." Auch bei der Mehrarbeit habe der Telekomchef Abstriche gemacht. Tatsächlich hatte Obermann zuerst zwölf Prozent Lohnabschlag und eine um sechs Stunden verlängerte Arbeitszeit gefordert. Jetzt stehen nur noch neun Prozent weniger und vier Stunden Mehrarbeit zur Debatte. Bei gutem Geschäftsverlauf sollen außerdem Bonuszahlungen einen Teil der Einkommensverluste ausgleichen.

Noch jedoch will Ver.di den Lohnverzicht nicht hinnehmen. "Diese neun Prozent können so nicht stehen bleiben", sagte Ver.di-Verhandlungsführer Lothar Schröder dem "Handelsblatt". Die Gewerkschaft habe die Gespräche nur wieder aufgenommen, weil sich die Telekom in allen Punkten gesprächsbereit gezeigt habe - das gelte auch für die Höhe der geplanten Kürzungen, erklärte er.

Kein Spielraum bei den Eckpunkten

Rothauge glaubt jedoch nicht, dass Schröder damit Erfolg hat. "Die Position von Ver.di ist in den vergangenen Wochen kontinuierlich schwächer geworden", erklärt er. Der Streik jedenfalls habe viel weniger Wirkung gezeigt als erhofft. Außerdem, so ergänzt der Analyst, seien auch dem Telekom-Vorstand Grenzen gesetzt. Die Anteilseigner erwarteten, dass die Einsparungen im angekündigten Umfang erzielt würden, also mindestens 500 Millionen Euro: "Mit Sicherheit besteht noch die Möglichkeit für Zugeständnisse im Detail, doch bei den Eckpunkten sehe ich kaum Spielraum."

Womöglich seien sich die Unterhändler inoffiziell in sehr viel mehr Punkten bereits näher gekommen, als sie nach außen hin zugeben wollten - aber natürlich sei dies nur eine Unterstellung, ergänzt Rothauge. Völlig aus der Luft gegriffen ist solch eine Spekulation allerdings nicht. Lange Verhandlungen gelten gemeinhin als Indiz dafür, dass die Unterhändler um jeden Millimeter gefeilscht haben.

Eines aber ist sicher. Eine Einigung ist für die Mitarbeiter in jedem Fall besser, als wenn die Gespräche scheitern. Denn in diesem Fall, so hat es Obermann bereits angekündigt, wird die Telekom   die Auslagerung im Alleingang umsetzen. Den Beschäftigten drohen dann wesentlich schlechtere Konditionen als bisher.