Telekom: Ver.di startet Urabstimmung - DER SPIEGEL
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Telekom Ver.di startet Urabstimmung

Im Tarifkonflikt mit der Deutschen Telekom ist die Urabstimmung über einen Arbeitskampf angelaufen. Begleitet wird die Entscheidung von neuen bundesweiten Warnstreiks - die Gewerkschaft droht inzwischen auch, den G-8-Gipfel in Heiligendamm zu bestreiken.
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Hamburg - Die Mitglieder der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di könnten bundesweit seit sechs Uhr bis einschließlich Mittwoch ihre Stimme abgeben, sagte der für den Arbeitskampf zuständige Ver.di-Bereichsleiter Ado Wilhelm. Sie entscheiden damit über einen Streik, der sich gegen den geplanten Konzernumbau richtet. Die Gewerkschaft rechnet mit einer Zustimmung von mehr als 90 Prozent, ab einem Votum von mindestens 75 Prozent kann die Gewerkschaft zum Streik aufrufen.

DGB-Chef Michael Sommer hat die Unternehmensleitung der Telekom unterdessen scharf kritisiert. Die Mitarbeiter sollten für Management-Fehler größten Ausmaßes die Zeche zahlen, sagte der Gewerkschafter heute im Bayerischen Rundfunk. "Es ist wirklich schändlich, dass auf dem Rücken der Belegschaft versucht wird, die Krise der Telekom   zu lösen, statt es mit den Beschäftigten zusammen zu tun." Die Mitarbeiter würden sich wehren. "Und das ist auch gut so."

Am Freitag hatte die Große Tarifkommission von Ver.di beschlossen, die rund 50.000 von der Auslagerung bedrohten Beschäftigten der Netzwerksparte T-Com in einer Urabstimmung am Montag über einen Arbeitskampf entscheiden zu lassen. Das Ergebnis soll am Donnerstag vorliegen. Nach dem Willen des Unternehmens sollen die Beschäftigten länger arbeiten und weniger Geld verdienen. Im Gegenzug will das Unternehmen die Stellen bis 2010 garantieren.

Seit dem Wochenende hat sich der Ton zwischen beiden Tarifparteien verschärft. "Die Telekom geht ganz klar auf Konfrontationskurs", sagte Wilhelm dem "Tagesspiegel". "Wenn sie die Konfrontation haben will, kann sie sie haben." Die Gewerkschaft wirft der Telekom vor, Mitarbeiter von der Teilnahme am Streik abhalten zu wollen. "Die Telekom ist dabei, unsere Leute unbotmäßig zu bedrohen", so der Ver.di-Bereichsleiter. Daher sei die Gewerkschaft nicht wie bei früheren Streikmaßnahmen bereit, der Telekom mit Notfallvereinbarungen für besonders wichtige Projekte entgegenzukommen. So könne es sein, dass auch der im Juni in Heiligendamm stattfindende G-8-Gipfel vom Streik betroffen sein könnte. "Jeden Tag werden unsere Leute massiv unter Druck gesetzt, dass der Streik rechtswidrig sei", sagte Wilhelm. "Das werden wir nicht hinnehmen."

Die Telekom wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Wir setzen niemanden unter Druck, sondern informieren die Mitarbeiter über die rechtlichen Rahmenbedingungen", sagte eine Konzernsprecherin dem "Tagesspiegel am Sonntag". Davon abgesehen versuche das Unternehmen natürlich den Mitarbeitern die Notwendigkeit von T-Service zu erklären. Daneben bereitet die Telekom eine Klage gegen Ver.di vor: "Wir prüfen die Rechtmäßigkeit des Streiks und behalten uns Schadenersatzforderungen gegen Ver.di vor", sagte die Sprecherin.

Begleitet werden soll die Urabstimmung von ganztägigen Warnstreiks, erwartet wird, dass alleine heute rund 12.000 Mitarbeiter ihre Arbeit niederlegen. Allein in Rheinland-Pfalz sind bereits 1200 Telekom-Beschäftigte an sieben Standorten in den Ausstand getreten. Betroffen seien Koblenz, Mainz, Bad Kreuznach, Ludwigshafen, Neustadt und Kaiserslautern, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Die Auswirkungen würden hauptsächlich im Service spürbar.

sam/dpa/AP/AFP/dpa-AFX