Telekom: Verdi warnt vor zweitem Fall BenQ - DER SPIEGEL
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Telekom Verdi warnt vor zweitem Fall BenQ

Die Telekom steht kurz vor dem Verkauf ihrer Technikeinheit VTS an Nokia Siemens Networks. Die Gewerkschaft Verdi hält die Pläne für problematisch - schließlich befindet sich Nokia Siemens selbst im Umbau.
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Hamburg - Die Telekom   könnte die Verhandlungen über den Verkauf der Einheit Vivento Technical Services an Nokia Siemens Networks (NSN) schon bald abschließen. "Die Absichten sind sehr konkret", sagte eine eingeweihte Person manager-magazin.de. Davon betroffen sind rund 2000 Mitarbeiter.

VTS erstellt und wartet Festnetz- und Mobilfunknetze und würde deshalb gut zum Netzwerkausrüster Nokia Siemens passen. Die Technikeinheit VTS ist Teil der Telekom-eigenen Beschäftigungsgesellschaft Vivento, die Personal an neue Arbeitgeber vermitteln will. Der VTS-Verkauf ist schon länger geplant. Ein Telekom-Sprecher bekräftigte im Gespräch mit manager-magazin.de, man gehe davon aus, einen Verkauf zum Jahreswechsel vollziehen zu können. Die Telekom führe "viel versprechende Verhandlungen mit einem namhaften globalen Unternehmen". Ein NSN-Sprecher wollte sich zu diesem Thema nicht äußern.

Die Trennungspläne bieten einiges Konfliktpotenzial: Die Gewerkschaft Verdi steht dem möglichen Verkauf an das deutsch-finnische Gemeinschaftsunternehmen mit großer Skepsis gegenüber. Es gilt als ungewiss, ob der Siemens-Konzern   auf Dauer an seiner 50-prozentigen NSN-Beteiligung festhält. Vorstandschef Peter Löscher hatte Anfang Oktober verkündet, er sei mit dem Joint Venture "ganz und gar nicht zufrieden". Langfristige Verträge verhindern jedoch eine rasche Trennung.

Verdi befürchtet nun, die Situation der Beschäftigten könnte sich nach einem möglichen Siemens-Ausstieg weiter verschlechtern. "Wir sehen für VTS die Gefahr eines zweiten BenQ", sagte ein Verdi-Funktionär. Im Jahr 2005 hatte Siemens seine Handyproduktion an die taiwanische BenQ verkauft - danach ging es bergab für die Mobilfunksparte. Ähnlich könnte es auch VTS nach einer Veräußerung an Nokia Siemens ergehen, argumentiert die Gewerkschaft.

"Kein gemeinsames Zusammenraufen mehr"

Zwar gilt Nokia Siemens nicht gerade als Pleitekandidat und hat heute ein Zahlenwerk vorgelegt, das im Vergleich zum Vorquartal immerhin einen deutlich reduzierten Verlust ausweist. Doch der Netzausrüster befindet sich mitten in einem Restrukturierungsprozess. 9000 von insgesamt 60.000 Jobs will das defizitäre Unternehmen bis 2010 abbauen, davon 2290 in Deutschland. In Zukunft will Nokia   die Sparmaßnahmen weiter verschärfen.

Für den wahrscheinlichen Fall eines VTS-Verkaufs an Nokia Siemens will Verdi Beschäftigungsgarantien für die Mitarbeiter sowie eine weitere Geltung der Tarifverträge durchsetzen. Für alle Beschäftigten sollen außerdem Rückkehrrechte zur Telekom gelten. Gewöhnlich gibt es derartige Regelungen nur für die Beamten im Konzern. Doch Verdi argumentiert: Jahrelang hätten Telekom-Beschäftigte niedrige Löhne im Austausch gegen hohe Arbeitsplatzsicherheit akzeptiert. Nun aber werde die Sicherheit entzogen.

Insgesamt beklagt die Gewerkschaft eine Verschlechterung des Betriebsklimas bei der Telekom seit dem vergangenen Jahr. "Da werden im großen Stil Menschen verunsichert", heißt es von Seiten der Gewerkschaft. Der Bonner Konzern befindet sich im Umbau. Zum 1. Juli wurden 50.000 Mitarbeiter in konzerneigene Servicegesellschaften ausgelagert - nach wochenlangen Streiks. Verdi kritisiert den Restrukturierungskurs: Es gebe "kein gemeinsames Zusammenraufen" von Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern mehr.