Telekom Verwirrspiel um neuen Chef
Berlin/Essen - "Absoluter Quatsch" seien Behauptungen, er mische sich in die Kandidatensuche ein, sagte Clement beim Sonderparteitag der nordrhein-westfälischen SPD in Essen. Er habe weder den Auftrag erhalten, noch habe er irgendjemanden für die Suche nach einem Telekom-Chef eingeschaltet. Das sei ausschließlich Aufgabe von Telekom-Chef Helmut Sihler und des Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Dietrich Winkhaus.
Die "Welt am Sonntag" hatte berichtet, Schröder habe Clement beauftragt, sich in die Suche nach einem neuen Chef für die Telekom einzuschalten. Das Kanzleramt sei unzufrieden über das mangelhafte Telekom-Krisenmanagement von Finanzminister Hans Eichel (SPD). Für die Suche nach dem neuen Telekom-Chef habe Clement den ehemaligen Bertelsmann-Manager Hans-Roland Fäßler beauftragt.
Unterdessen wächst in der Bundesregierung der Unmut über die schleppende Kandidatensuche unter Winkhaus. In Berlin wird hinter den Kulissen bereits an der Ablösung des glücklosen Aufsichtsratschefs gearbeitet, und auch aus der Wirtschaft wird Kritik laut. Als "nur noch peinlich" bezeichnete etwa der frühere Telekom-Aufsichtsratschef die Kandidatenkür gegenüber dem SPIEGEL. Damit das Ansehen der Bundesrepublik nicht noch mehr Schaden nehme, müsse der Kanzler die Spitzenpersonalie beim wichtigsten Bundesunternehmen endlich zur Chefsache machen.
Die "Welt am Sonntag" schreibt unter Berufung auf das Kanzleramt, Winkhaus habe viel zu hektisch in den vergangenen Wochen nach einem geeigneten Kandidaten gesucht. Sobald die Nachfolgefrage geklärt sei, werde auch über den Aufsichtsratschef nachgedacht. "Winkhaus ist dann nicht mehr zu halten", zitiert das Blatt aus Kreisen, die dem Kontrollgremium der Telekom nahe stehen.