Telekom: Zumwinkel will Ricke rasch loswerden - DER SPIEGEL
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Telekom Zumwinkel will Ricke rasch loswerden

Die Diskussion um Telekom-Chef Ricke hat sich dramatisch zugespitzt. Wie SPIEGEL ONLINE aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, ist Aufsichtsratchef Zumwinkel fest entschlossen, in den nächsten Tagen mit dem bisherigen T-Mobile-Chef Obermann einen Nachfolger für Ricke zu nominieren.
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Frankfurt am Main - Noch am Wochenende sollen weitere entscheidende Gespräche geführt werden. Der überraschende Schritt, heißt es in mit dem Fall betrauten Kreisen, sei offenbar mit den beiden Großaktionären Bund und dem Finanzinvestor Blackstone abgestimmt. Beide Anteilseigner hatten die Strategie Kai-Uwe Rickes bereits in den vergangenen Wochen mehr oder weniger deutlich kritisiert.

Dagegen hat Klaus Zumwinkel den restlichen Aufsichtsrat und vor allem die Arbeitnehmerseite offenbar noch nicht über seine Absichten unterrichtet. Dort weiß man bisher nicht einmal, dass eine Sondersitzung des Gremiums einberufen werden soll.

Sollte Zumwinkel seinen Plan tatsächlich umsetzen, ist zu erwarten, dass Kai-Uwe Ricke sein Amt mit sofortiger Wirkung zur Verfügung stellt und die Geschäfte an René Obermann übergeben würde. Allerdings ist bisher völlig offen, ob der Handstreich zur Ablösung des Telekom-Chefs tatsächlich gelingt und Zumwinkel die notwendige Mehrheit im Kontrollgremium erhält.

Im Arbeitnehmerlager zumindest stößt der überraschende Plan auf Vorbehalte. Um die notwendigen Stimmen zu erhalten, heißt es dort, müsste ein Nachfolger erhebliche Zugeständnisse bei den Arbeitsplatzgarantien geben – und das wiederum dürfte bei dem von Ex-Telekom-Chef Ron Sommer beratenen Finanzinvestor Blackstone auf wenig Gegenliebe stoßen.

Überhaupt schien Zumwinkels hektischer Vorstoß nicht sonderlich gut vorbereitet. Mit T-Mobile-Chef Obermann soll Ricke nämlich kein externer Manager folgen, der mit neuem Blick und frischen Ideen keine Rücksichten auf alte Strukturen und Absprachen innerhalb des Konzerns nehmen muss. Mit Obermann ist die Wahl vielmehr auf einen Telekom-Manager gefallen, der an allen Vorstandesentscheidungen der vergangenen Jahre mitgewirkt oder sie sogar maßgeblich vorbereitet hat. Zudem hat Obermann seit Jahren eine sehr enge Bindung an Ricke. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hat Obermann schon seine Bereitschaft zur Ricke-Nachfolge bekundet. Wenn ihn der Aufsichtsrat bitte, dessen Position zu übernehmen, werde er nicht Nein sagen, berichtete die Zeitung in einer Vorabmeldung.

Insider glauben denn auch, dass Zumwinkel sich mit dem Vorstoß dem Druck der beiden Großaktionäre beugt. Mit einem gefügigeren Management hofft besonders Blackstone, seinen Einfluss auf Unternehmensentscheidungen ausweiten zu können und so den Kurs der seit Jahren dümpelnden T-Aktie positiv beeinflussen zu können. So fordert das auch auf Unternehmenszerschlagungen spezialisierte Unternehmen bereits seit längerer Zeit einen Verkauf von Unternehmensteilen wie etwa der Telekom-Systemtochter T-Systems. Auch ein drastischerer Personalabbau als ihn Ricke bisher plant, wissen Aufsichtsräte, liegt im Interesse des Finanzinvestors.

Dass solche Pläne in der Öffentlichkeit und in großen Teilen der Politik auf wenig Gegenliebe stoßen dürften, ist wohl auch Zumwinkel klar. Nur so zumindest ist zu erklären, dass er die Personalie Ricke nun im Hauruck-Verfahren lösen will.