Telekom: Zwei Vorstände verlassen Obermanns Team - DER SPIEGEL
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Telekom Zwei Vorstände verlassen Obermanns Team

Der neue Telekom-Chef Obermann gilt als einer, der durchgreift. Diesem Ruf machte er heute zumindest im Personalbereich alle Ehre: Er nahm an einer Sitzung des Aufsichtsrats teil, danach wurde der Rücktritt von zwei Vorständen bekannt gegeben.
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Bonn - Offiziell ist es kein Rausschmiss: Festnetzchef Walter Raizner habe den Aufsichtsrat heute gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden, erklärte der Bonner Konzern nach einer Sitzung des Gremiums. Um einen gleitenden Übergang zu gewährleisten, werde er bis zu seinem Ausscheiden dem Unternehmen weiter zur Verfügung stehen. Die Personalie war seit langem erwartet worden: Denn der Festnetzsparte geht es mehr als mies. Neben dem Kundenschwund werden Raizner Verzögerungen bei der Einführung der Bündelangebote aus Telefonie, Internet und Medieninhalten angelastet.

Neben Raizner gab auch der langjährige Personalvorstand Heinz Klinkhammer sein Mandat ab. Er gilt schon länger als amtsmüde. Der Manager habe sich nach Vollendung seines 60. Lebensjahres entschieden, aus persönlichen Gründen sein Amt zum Ablauf dieses Jahres niederzulegen, erklärte der Konzern denn auch. Klinkhammer soll seiner Familie diesen Schritt fest versprochen haben, hatten mehrere Medien berichtet.

Raizners Posten soll nun der bisherige T-Mobile-Manager Timotheus Höttges übernehmen. Ein Nachfolger für Klinkhammer gibt es noch nicht. Deshalb soll der bisherige Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick kommissarisch zusätzlich das Personalressort übernehmen.

Damit hat sich Regine Büttner, die derzeit für internationale Personalentwicklung zuständig ist, offensichtlich nicht durchgesetzt. Sie galt als mögliche Nachfolgerin Klinkhammers, war aber im Aufsichtsrat sehr umstritten. Klinkhammer selbst hatte den bisherigen T-Com-Personalchef Dietmar Welslau als Personalvorstand vorgeschlagen, wie es in der Presse hieß.

Obermanns Spielraum ist eingeschränkt

Bezüglich seiner Pläne für die Zukunft gab sich Obermann vor dem Aufsichtsrat heute allerdings noch vorsichtig: Alle Sparten sollten enger miteinander verzahnt werden, deshalb sollen alle Vorstände künftig mehr übergreifende Funktionen bekommen, erklärte der Konzern nach der Sitzung lediglich. Im Vordergrund stehe eine Verbesserung des Services. So solle Höttges neben dem Festnetzbereich außerdem auch den Service- und Vertriebsbereich von T-Mobile in Deutschland verantworten. Bis zum Frühjahr wolle Obermann die "langfristige Strategie der Deutschen Telekom weiterentwickeln", hieß es außerdem.

Analysten hatten zuvor vor einem massiven Konzernumbau gewarnt und Obermann zu kleineren Schritten geraten. Jochen Reichert von SES Research etwa erklärte, permanentes Restrukturieren und Reorganisieren bringe zu viel Unruhe in den Konzern. Auch Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim sagte, durch eine Neuorganisation wäre der Konzern mehrere Monate nur mit sich selbst beschäftigt. "Das kann man nicht machen, wenn man die Wettbewerber im Nacken sitzen hat." Vor allem auf Gerüchte über eine Zusammenlegung der Sparten T-Com und T-Mobile hatten die Experten alarmiert reagiert: "Das verursacht viel Wirbel und bringt nichts", erklärte Rothauge.

Nachdem der Konzern erst Anfang 2005 auf die Struktur mit drei Geschäftsfeldern wechselte, wäre ein radikaler Umbau ohnehin schwierig. Denn Obermann steckt in den gleichen Zwängen wie sein Vorgänger Kai-Uwe Ricke: Er muss den Spagat schaffen zwischen den Interessen des Finanzinvestors Blackstone, des Großaktionärs Bund und der Arbeitnehmer, die im Aufsichtsrat über seine und die Telekom-Zukunft entscheiden. Auch wenn die Investoren einen steigenden Aktienkurs sehen wollen - ein massiver Personalabbau zur Kostensenkung käme der Regierung sicher ungelegen, die Arbeitnehmer sind sowieso dagegen.

Ricke hatte bereits fünf Milliarden Euro als Sparziel bis 2010 ausgerufen. Um langfristig Beschäftigung im Service zu sichern, sollen nach Plänen Klinkhammers 45.000 Beschäftigte aus der Festnetzsparte T-Com in eigene Gesellschaften ausgegliedert werden und auf Gehalt verzichten. Die Alternative ist die Auslagerung von Arbeitsplätzen an dritte Unternehmen.

ase/dpa/ddp/Reuters