Telekommunikation Siemens-Vorstand bekennt sich zu seiner Problemsparte
Hamburg - Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt sprach sich heute gegen eine Aufspaltung des kriselnden Kommunikationsbereichs Com aus, der sowohl im Festnetz- als auch im Mobilfunkgeschäft tätig ist. "Es ist die richtige Entscheidung, beide Technologien zu behalten", sagte er auf der "Handelsblatt"-Tagung "Telekommarkt Europa" in Bonn. Das Unternehmen könne damit am besten Bedürfnisse von Kunden befriedigen, die zunehmend Bündel von Mobilfunk und Festnetz anböten. "Für uns ist ein großer Vorteil, in beiden Segmenten vertreten zu sein", sagte Ganswindt. Hintergrund seien Überschneidungen in beiden Netzen, die Synergien ermöglichten.
Ganswindt ist im Siemens-Vorstand für die beiden Problembereiche Com und Siemens Business Services (SBS) verantwortlich. Einem Bericht der "Welt" zufolge wird Ganswindt von Vorstandskollegen kritisiert, weil externe Prüfer die Qualität von Einnahmen- und Ausgabenkalkulation bemängelt hätten. Auch fehle es in der Com-Sparte an konkreten Zielen wie etwa Plänen für neue Produkte. Ganswindt gilt als Vertrauter des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und jetzigen Aufsichtsratschefs Heinrich von Pierer.
Zu Spekulationen über einen Verkauf von Siemens Com machte Ganswindt keine konkreten Angaben. Er sagte aber: "Offensichtlich muss es wohl so sein, dass wir ein Portfolio haben, dass uns zu einem interessanten Partner macht." Die Politik des Unternehmens sei aber davon geprägt, "dass wir eher zugekauft haben". Zu möglichen Akquisitionszielen machte er keine Angaben. Ganswindt deute an, dass Siemens kleinere Zukäufe tätigen könnte.
Com wird seit einiger Zeit umgebaut, was auch den Abbau von Stellen umfasst. Bei Siemens sollen laut einem Bericht der "Welt" kommende Woche die Gespräche zwischen Arbeitnehmervertretern und Management über den Abbau von rund 1000 Stellen in dieser Sparte zum Abschluss kommen. Eventuell könnten auch noch mehr Arbeitsplätze gestrichen werden. Der Jobabbau solle aber durch Versetzungen in andere Konzernsparten abgefedert werden, heißt es aus dem Konzern.
kaz/dpa-AFX