Terror-Finanzierung Tanz der Verfolgten
Mit der Western-Formel "tot oder lebendig" schießt Bush gerne um sich, wenn es um die Jagd auf Terroristen geht. Natürlich meint er das nicht ernst, schließlich ist er der amerikanische Präsident. Doch eine "Most-Wanted"-Liste gibt es tatsächlich, und damit meint es das FBI wirklich ernst: Alles und jeder, der mit den afghanischen Taliban oder dem Terrornetzwerk al-Qaida in Verbindung gebracht werden kann, landet auf dieser Liste, um aus den Vereinigten Staaten und überhaupt aus der Welt geschafft zu werden.
Will man den Gegner an seiner empfindlichsten Stelle treffen, kommt nach ur-amerikanischer Überzeugung nur ein Rezept in Frage: Der Geldhahn muss zugedreht werden. Alle Geldströme und Konten der Terroristen und ihrer Freunde würden nun schonungslos eingefroren, verkündete denn auch die amerikanische Regierung mit demonstrativer Entschlossenheit.
Das klingt machtvoll und beherzt, hat nur leider einen kleinen Haken: Die Idee ist nicht neu, und sie hat bisher noch nie funktioniert. Bestes Beispiel ist der 52-jährige Mohammed Ali El Huwej, eine Art Schalck Golodkowski des libyschen Staatspräsidenten Muammar al-Gaddafi. Mit seiner Libyan Arab Foreign Investment Co. - kurz Lafico - gehört er bereits seit 15 Jahren zu den "Most-Wanted"-Mitgliedern.
Amerikanern, die mit Lafico Geschäfte machen, drohen Haftstrafen von bis zu zehn Jahren und horrende Geldstrafen. Huwej lacht immer noch, wenn er über das amerikanische Finanzministerium redet. "Mein Name ist an der Spitze der schwarzen Liste", scherzte er kürzlich mit Reportern der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Wenn Sie mit mir reden, kann das mit eine Geldbuße von 250.000 Dollar bestraft werden."
Die Liste wird übrigens vom Office of Foreign Assets Control im US-Finanzministerium veröffentlicht (http://www.ustreas.gov/ofac/t11sdn.pdf), und das ist schon ihr erster Fehler. Denn so kann sich natürlich jeder unmittelbar über den Stand der Ermittlungen informieren, etwa darüber welche seiner Firmen gerade ins Visier der US-Fahnder geraten ist.
Die Folge ist beinahe zwangsläufig. Im Falle Mohammed Ali El Huwejs sehen die amerikanischen Behörden nun schon seit eineinhalb Jahrzehnten hilflos zu, wie dieser sein weit verzweigtes Netz von Beteiligungen und Tarnfirmen knüpft. Rund 5,5 Milliarden Dollar hat der Großinvestor im Auftrag der libyschen Regierung mittlerweile in Europa angelegt. Unter deutschen, italienischen und spanischen Namen werden Geschäfte mit amerikanischen Partnern gemacht - ganz legal. Ein Beispiel ist der 16-Prozent-Anteil an der italienischen Traditionsfirma Olcese SA, die Bennetton, Lacoste und Armani mit Stoffen beliefert. Amerikanische Gäste logieren in Hotels, deren Management vom libyschen Staat kontrolliert wird. Die Corinthia-Gruppe beispielsweise hat Hotels auf Malta, in Tschechien, Gambia, Ungarn, Portugal, Tunesien und der Türkei. Die Gruppe ist zu 48 Prozent in der Hand der libyschen Lafico.
Mit der gleichen Ohnmacht beobachten die US-Fahnder die Umtriebe der libyschen Zentralbank. Sie unterhält laut Bericht des US-Finanzministeriums Beziehungen zu 103 Finanzfirmen - nur 28 davon sind überhaupt auf der schwarzen Liste des Ministeriums vermerkt. Bei den anderen unterschreiten die libyschen Beteiligungen den Grenzwert, den die amerikanische Behörde gesetzt hat. Das hat natürlich System, wie auch Huwej bestätigt. Durch die Auffächerung der Geldströme sei es seinen Finanzmanagern möglich, Geld über "rund 90 Prozent der europäischen Banken zu leiten", sagte er stolz den Bloomberg-Reportern.
Wie ungeniert die Verfolgten ihren Jägern vor der Nase herumtanzen, zeigt der Fluss der Geldströme. Millionensummen werden über Banken geleitet, die auch in den USA Filialen besitzen - darunter die italienische Banca di Roma und die spanische Banco Atlantico. Besonders schillernd ist die Arab Banking Corp. aus Bahrain. Sie gehört dem libyschen Staat zu 27 Prozent und logiert in Büros an der New York Park Avenue. Sie schmeißt regelmäßig die größten Partys bei den Politikertreffen von Internationalem Währungsfonds und Weltbank. 1999 fand das Fest im Park Hotel Hyatt statt, in unmittelbarer Nähe des Weißen Hauses.