Terrorgefahr Sperrgebiet um DaimlerChrysler
Stuttgart - Bis zu zwei Kilometer breit ist der Sicherheitsradius, in dessen Zentrum die DaimlerChrysler-Hauptverwaltung in Stuttgart-Möhringen liegt. Die Polizei kontrolliert die Gegend mit verstärktem Aufgebot, jeder Person, die nicht innerhalb der Sonderzone wohnt, arbeitet oder ein Grundstück besitzt, ist der Zutritt verboten. Demonstrationen sind gleichfalls untersagt.
Wer gegen die Regeln verstößt, kann in "Beseitigungsgewahrsam" genommen werden. So steht es in einer offiziellen Bekanntmachung der Stadtverwaltung Stuttgart von Mittwoch, die in der regionalen Presse veröffentlicht wurde.
Allerdings: Bei DaimlerChrysler scheinen Sonderkontrollen und Polizeipräsenz niemandem so recht aufgefallen zu sein. Nein, Meldungen der Nachrichtenagentur AP, wonach der Schutz dem Autokonzern gelte, seien völlig aus der Luft gegriffen, sagte eine Konzernsprecherin SPIEGEL ONLINE. Ihren Namen möchte sie vorsichtshalber nicht zitiert sehen.
Ordnungsamt: Daimler "schützenswertes Objekt"
Die Wahrheit laut DaimlerChrysler ist diese: Der Sicherheitsbereich gilt eigentlich den Kelley-Barracks, einem Kasernengelände, in dem amerikanische Soldaten und ihre Familien wohnen und arbeiten. Zufälligerweise grenzen diese Kasernen direkt an die Daimler-Hauptverwaltung. Wird DaimlerChrysler verstärkt von der Polizei geschützt? "Wie kommen Sie denn darauf?"
Die öffentliche Bekanntmachung der Stadt Stuttgart zeichnet indessen ein differenzierteres Bild. Ausdrücklich ist hier von einem "Sicherheitsbereich für die Kelley-Barracks und die Hauptverwaltung der Firma Daimler-Chrysler" die Rede.
Werk wird "öfter bestreift"
Das bestätigt Alfons Nastold, im Stuttgarter Ordnungsamt für Sicherheitsangelegenheiten zuständig. Die Sperrzone sei zwar primär wegen der Kaserne eingerichtet worden - aber auch die Daimler-Zentrale gelte als "schützenswertes Objekt".
Auch Hermann Karpf, Sprecher der Stuttgarter Polizei, beschreibt die Autobauer als "gefährdet" - schließlich sei der Konzern "besonders mit Amerika verschwistert". Schon bevor die Sicherheitszone eingerichtet wurde, habe die Polizei besonders wachsame Blicke auf das Werksgelände geworfen.
Über Sicherheit spricht man nicht
Ähnlich ist die Situation im Daimler-Werk im nahen Sindelfingen. Eine Sperrzone besteht nicht, wohl aber gelten auch hier verstärkte Sicherheitsmaßnahmen. So berichtet ein Sprecher der Stuttgarter Umlandspolizei, das Werk werde "öfter bestreift" - von Streifenwagen überwacht. Die Maßnahmen seien mit dem Werkschützern von DaimlerChrysler abgesprochen worden.
Und natürlich verhalte sich die Werkspolizei seit den Angriffen auf Afghanistan "besonders wachsam", räumt auch die Daimler-Sprecherin ein. Das hausinterme Security-Team beobachte die internationale Lage genau, reagiere flexibel, stehe in regem Kontakt mit Landes- und Bundeskriminalamt. Weiter ins Details will die Sprecherin nicht gehen.
Zur Erläuterung fügt sie an: "Wenn Sicherheitsmaßnahmen öffentlich diskutiert werden, funktionieren sie nicht mehr."