Teuerungsrate: Inflation schnellt auf Vierjahreshoch - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Teuerungsrate Inflation schnellt auf Vierjahreshoch

Die hohen Energiepreise haben die Inflationsrate auf ein Vierjahreshoch getrieben. Allein für Heizöl zahlen Verbraucher in diesem Winter bis zu 45 Prozent mehr als im letzten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wiesbaden - Der Verbraucherpreisindex kletterte im September gegenüber dem Vorjahresmonat um voraussichtlich 2,5 Prozent. Das errechnete das Statistische Bundesamt aus Ergebnissen aus sechs Bundesländern. Die Teuerungsrate ist damit deutlich über die Zwei-Prozent-Marke geklettert, die bei der Europäischen Zentralbank (EZB) als Warnschwelle für die Preisstabilität gilt. Im August lag die Preissteigerung noch bei 1,9 Prozent.

Noch stärker als diesen Monat stiegen die Preise letztmals im Juni 2001, als Europa von BSE und der Maul- und Klauenseuche in Atem gehalten wurde und die Preise um 2,5 Prozent stiegen. Dauerhaft höhere Inflation habe es in Deutschland nur in den ersten Jahren der deutschen Einheit bis 1994 gegeben, so das Bundesamt weiter. Die endgültige Steigerungsrate für September soll Mitte Oktober veröffentlicht werden.

Verantwortlich für den rasanten Anstieg sind nach Ansicht des Statistischen Bundesamtes vor allem die hohen Heizöl- und Kraftstoffpreise. Andreas Speer, Volkswirt bei der Bayern LB betont dagegen: "Die Aufregung um eine hohe Teuerungsrate ist zwar auf der einen Seite zu verstehen. Auf der anderen Seite muss man jedoch beachten, dass der unerwartet hohe Anstieg auf Sondereffekte zurückzuführen ist."

Neben den hohen Energiepreise hätten sich auch die Tabaksteuererhöhung und der Handelsstreit mit China bemerkbar gemacht. Die EU hatte vorübergehend chinesische Textilien an der EU-Grenze zurückgehalten, weil chinesische Importeure die Einfuhrhöchstgrenze für bestimmte Produktkategorien überschritten hatten. Bekleidung sei deshalb teurer geworden. Ohne diese Effekte werde die Teuerungsrate im Oktober wieder zurückgehen, erklärte Speer. "An dem grundlegenden Bild einer moderaten Preisbildung ändert sich nichts."

Bundesbank-Präsident Axel Weber hatte noch vor Bekanntgabe der neuesten Statistik erklärt, er halte eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) für möglich. "Angesichts der Ölpreissteigerungen und der reichlichen Liquidität in den Märkten sind die Preisrisiken nach oben gerichtet", sagte er in einem Interview.