Teure Energie: Ölpreis springt über 120 Dollar - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Teure Energie Ölpreis springt über 120 Dollar

Neuer Rekord beim Ölpreis: Ein Barrel kostet in New York erstmals mehr als 120 Dollar. Händler nennen als Grund die Spannungen zwischen den USA und Iran. Auch in Deutschland ziehen die Spritpreise merklich an.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Der US-Ölpreis ist am gestrigen Montag erstmals kurzzeitig über die Marke von 120 Dollar gestiegen. Am Nachmittag kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI auf bis zu 120,25 Dollar.

Händler begründeten den Anstieg mit geopolitischen Spannungen. Dazu zählten die anhaltenden Auseinandersetzungen der USA mit Iran und die Unruhen im Ölförderstaat Nigeria.

Der Ölpreis hatte die Marke von 120 Dollar vor einigen Tagen schon fast einmal geknackt. Zuletzt war er aber auf rund 116 Dollar gefallen, bevor er am gestrigen Montag wieder kräftig anzog. Händler sprachen von einer überraschend starken Kursbewegung. Allein an diesem Tag kletterte der Ölpreis 3,89 Dollar nach oben.

Unmittelbarer Auslöser war vermutlich ein Lieferausfall in Nigeria. Zuletzt hatten Rebellen die Ölfördereinrichtungen des Shell-Konzerns in Nigeria sabotiert. Die Bewegung für die Befreiung des Niger-Deltas teilte am vergangenen Sonntag mit, ihre Kämpfer hätten im Süden des Landes Ölförderanlagen von Shell überfallen. Nigeria ist der wichtigste Ölproduzent Afrikas.

"Der jüngste Preissprung dürfte vor allem auf geopolitische Spannungen zurückzuführen sein", sagte Rohstoffexpertin Dora Borbély von der DekaBank. Sie verwies auch auf Äußerungen im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zum Konflikt mit Iran. So hatte Hillary Clinton mit der "völligen Vernichtung" Irans gedroht, falls das Land Israel mit Atomwaffen angreifen würde. Irans oberster geistlicher Führer Ajatollah Ali Chomeini erklärte seinerseits am vergangenen Sonntag, dass sein Land nach wie vor am zivilen Atomprogramm festhalte.

Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg verwies außerdem darauf, dass in Bolivien vier weitere Energieunternehmen verstaatlicht worden sind. "Aus unserer Sicht wird der weltweit zunehmende Rohstoff-Nationalismus zum Aufwärtstrend der Rohstoffpreise beitragen", schrieb Weinberg in einem Marktkommentar.

Hinzu kamen geplante Streiks in einem französischen Hafen. Eine Rolle spielten auch US-Konjunkturdaten, die besser ausgefallen sind als erwartet. Dadurch verringerten sich die Sorgen der Anleger vor einer US-Rezession - und das treibt tendenziell die Ölnachfrage nach oben.

In Europa stieg der Ölpreis ebenfalls, wenn auch nicht so deutlich. Die Nordseesorte Brent, die in der Regel günstiger ist als die US-Sorte WTI, kostete in der Spitze 118,50 Dollar.

Auch der Preis für Rohöl aus der Opec (Organisation Erdöl exportierender Länder) ist gestiegen. Nach Angaben des Opec-Sekretariats vom gestrigen Montag kostete ein Barrel aus den Fördergebieten des Kartells am vergangenen Freitag 106,99 Dollar. Das war genau ein Dollar mehr als am Donnerstag zuvor.

Das teure Erdöl treibt auch die Spritpreise in Deutschland. Im April erreichten sie den höchsten Stand aller Zeiten. An den Zapfsäulen kostete Superbenzin im Monatsschnitt 143,3 Cent pro Liter - etwa 1,5 Cent mehr als im März, wie der Mineralölwirtschaftsverband mitteilte. Für Diesel mussten die Verbraucher 135,2 Cent pro Liter bezahlen. Das waren 1,8 Cent mehr als im März. In der Vorwoche hatte bereits der ADAC von Rekordpreisen im April gesprochen.

wal/Reuters/AP/dpa/ddp

Mehr lesen über

Verwandte Artikel