Teure Hilfstransporte: Russen nehmen die höchsten Preise - DER SPIEGEL
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Teure Hilfstransporte Russen nehmen die höchsten Preise

Nach der verheerenden Flutkatastrophe in Südostasien haben die Cargo-Abteilungen der Fluglinien Hochkonjunktur. Besonders die russischen Gesellschaften mit ihren robusten Frachtern vom Typ Iljuschin profitieren davon. Ihre Preise sind dramatisch angestiegen.
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Berlin - Situationen wie diese können selbst abgebrühten russischen Piloten den Tag vermiesen. Nach zwei Tagen Flug war die Crew der Iljuschin 76 in den frühen Morgenstunden endlich auf dem Flughafen Medan von Sumatra gelandet. An Bord der Maschine: rund 30 Tonnen Hilfsgüter des Technischen Hilfswerks aus Deutschland.

Doch der indonesische Flughafenoffizier trat den Piloten nicht mit einer freundlichen Begrüßung entgegen, sondern mit einer brüsken Forderung: Die Landegebühren seien sofort und in bar zu entrichten. Andernfalls könne das Flugzeug nicht entladen werden. Die Piloten hatten nur einige Rubel in der Tasche. An den geforderten Betrag in Höhe von mehreren tausend Dollar war gar nicht zu denken.

Immerhin ließ der Offizier ihnen Zeit, ihre Chefs in Moskau zu informieren. Von dort aus wandte man sich an die Chartergesellschaft, die wiederum das THW in Köln in alarmierte - bis schließlich ein Mitarbeiter der Deutschen Botschaft die Sache vor Ort klären konnte. Der Flughafenoffizier akzeptierte ihn als Bürgen - und stundete seine Forderung.

Die russischen Fluggesellschaften nehmen solche Widrigkeiten gelassen hin. Sie haben derzeit Hochkonjunktur. Wenn es darum geht, Lebensmittel, Medizin und technisches Gerät in die verwüsteten Gebiete zu transportieren, greifen die Hilfsorganisationen mit Vorliebe auf robuste, russische Transporter zurück.

"Die Flugzeuge der Carrier aus den ehemaligen GUS-Staaten haben viele Vorteile, wenn es darum geht, schweres Gerät auch in entlegene Gebiete zu transportieren", erklärt Michael Weber, der beim Technischen Hilfswerk für die Logistik verantwortlich ist. Maschinen wie die Iljuschin 76 seien in der Lage, auch gröbere Schäden auf den Landebahnen wegzustecken. Obendrein könne man sie ohne besondere Hilfsmittel entladen.

Preis hat sich nahezu verdoppelt

Entsprechend der Nachfrage sind vor allem bei den russischen Gesellschaften die Charter-Preise in die Höhe geschnellt. "Im Vergleich zu den Zeiten vor der Flutkatastrophe haben sich die Frachtraten nahezu verdoppelt", sagt Weber. Inklusive aller Gebühren müsse seine Organisation zurzeit rund 160.000 Euro für einen Einsatz der Iljuschin 76 bezahlen - Extrakosten, wie auf dem Flugplatz in Medan nicht eingerechnet.

Auch Unicef-Pressesprecherin Sandy Blanchett spricht von einem "signifikanten Anstieg" der Preise. Einzig die Logistikfachleute des Deutschen Roten Kreuzes können den Anstieg nicht bestätigen. Sie führen dies aber darauf zurück, dass sie langfristige Verträge geschlossen haben.

Dass die Gesamtkosten für den Transport der Hilfsgüter in die Krisengebiete trotzdem nicht ausufern, ist auf die Sonderangebote großer westlicher Fluggesellschaften wie Lufthansa und British Airways zurückzuführen. Sie bieten den Transport zu größeren Flughäfen wie Colombo oder Jakarta derzeit besonders billig an. Lufthansa Cargo etwa verlangt für einen Frachtjumbo zwischen 125.000 und 150.000 Euro. Normalerweise läge der Preis um rund 100.000 Euro höher.

Im Einzelfall werden freie Kapazitäten auch kostenlos zur Verfügung gestellt. British Airways hat Unicef zehn Freiflüge von Kopenhagen nach Asien zugesagt - Raum genug für rund 1000 Tonnen Hilfsgüter. Die Beispiele sind keine Einzelfälle. In ähnlicher Weise verfahren auch Air Canada, Quantas, Northwest Airlines, Singapore Airlines, SAS und viele andere. Auch die Ferienflieger, die wenige Tage nach der Flut betroffene Touristen zurückholten, nahmen auf dem Hinflug Helfer und Gerät umsonst mit.

Oneway ist zwangsläufig teurer

Anders als die Iljuschins können die westlichen Großraumflugzeuge aber meist nur auf Flughäfen landen, die noch ein ganzes Stück von den Katastrophengebieten entfernt liegen. Von dort aus muss der Weitertransport organisiert werden. "Wir haben aber gute Verbindungen zu den entsprechenden Stellen, um genügend Frachtraum in Militärmaschinen zu ergattern, die dann zu den Brennpunkten fliegen", sagt Blanchett.

So behalten die Russen-Flieger ihren Wettbewerbsvorteil. Trotz der erhöhten Preisforderungen sieht THW-Logistiker Weber deshalb auch keinen Grund, die Gesellschaften an den Pranger zu stellen. "Anders als die großen Airlines können die Russen nicht anschließend weiter nach Hongkong fliegen, um dort Fracht aufzunehmen", sagt er - sie fliegen mit leerem Laderaum zurück. Die hohen Preise ließen sich im Wesentlichen auf diese Leerflüge zurückführen.

"Die Russen fliegen nicht zu Sonderpreisen, aber nach meinem Eindruck nutzen sie die enorme Nachfrage auch nicht so stark aus, wie sie könnten", bestätigt auch Russi Batliawala, der als Deutschland-Geschäftsführer von Chapman Freeborn, einer weltweit tätigen Maklergesellschaft für Luftfracht, allein in der vergangenen elf Tagen 50 Flüge in die betroffenen Gebiete organisiert hat.

Noch ein anderer Grund sei von Bedeutung, ergänzt Weber: "Wir hätten nichts davon, wenn die betreffenden Gesellschaften uns Bedingungen einräumten, die sie sich selbst nicht leisten können - und anschließend ihren Laden dicht machen müssten." Denn ungeachtet des Engagements der großen West-Fluglinien - die Iljuschins seien unverzichtbar.