Teure Rabatte - DER SPIEGEL
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LUFTHANSA Teure Rabatte

Aufstand gegen die Fluglinie: Rund zwei Dutzend Großkonzerne wollen das Miles & More-Programm kippen.
• aus DER SPIEGEL 2/1997
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Seine Kollegen nennen Karl-Heinz Jörk respektvoll »López von der Isar«. Den Spitznamen hat er sich redlich verdient. Der Siemens-Manager durchforstete in den vergangenen Monaten erstmals die Reisekosten des Milliardenkonzerns, er hat dem Unternehmen fast 200 Millionen Mark eingespart, doppelt soviel wie geplant.

Doch Jörk reicht das nicht. Der Betriebswirt möchte für seine Firma zusätzlich einen zweistelligen Millionenbetrag hereinholen - diesmal zu Lasten der Deutschen Lufthansa.

Jörk führt mit den Reisechefs anderer Firmen eine erbitterte Fehde gegen die Fluggesellschaft. Die Kostendrücker fordern, daß die Lufthansa Bonusmeilen, die sie Vielfliegern im Rahmen ihres Miles & More-Programms auf Dienstreisen gewährt, künftig den Unternehmen und nicht den Reisenden gutschreibt. Doch die Lufthansa-Bosse stellen sich stur. »Großunternehmen wie Siemens oder Daimler-Benz«, kontert Lufthansa-Verkaufsdirektor Stefan Pichler, »bekommen von uns doch schon jetzt attraktive Großkundenrabatte.«

Jörk und seinen Mitstreitern geht es ums Prinzip. »Die Tickets werden schließlich von der Firma bezahlt«, begründet der Siemens-Manager den Vorstoß, »deshalb stehen die Meilen eindeutig dem Unternehmen zu.«

Mitte Dezember trafen sich Vertreter von rund zwei Dutzend Großunternehmen in einem Frankfurter Hotel, um sich gegen die Lufthansa zusammenzutun. Sollte die Fluggesellschaft sich weiterhin weigern, den Firmen die Freimeilen zu vergüten, wollen die Reiseprofis Flugtickets künftig vermehrt bei Konkurrenten wie British Airways oder Air France kaufen.

Einige der Teilnehmer planen sogar, die ehemalige Staatslinie zu verklagen. Als Grundlage dient den Kritikern ein 120 000 Mark teures Gutachten, das der Konstanzer Wettbewerbsrechtler Karl-Heinz Fezer im Auftrag der Frankfurter Metallgesellschaft erstellt hat. Danach verstößt das Miles & More-Programm der Lufthansa (Werbemotto: »Unser Bonus für Ihre Treue") gegen wichtige Vorschriften des Wettbewerbsrechts.

Das Treffen in Frankfurt bildet den vorläufigen Höhepunkt in einem erbitterten Streit, den die Lufthansa seit Jahren mit ihren wichtigsten Großkunden führt. Seit Anfang 1993 werden Flugkunden, die oft und viel mit der Gesellschaft oder ihren Partnern fliegen, für Flugmeilen sowie Hotel- und Mietwagenbuchungen sogenannte Bonuspunkte gutgeschrieben (siehe Grafik). Mit dem Lockvogeltrick, den auch andere Fluggesellschaften anwenden, wollen die Lufthansa-Manager neue Kunden ködern und Vielflieger Linien-treu halten.

Aus Sicht der Lufthansa ist das Miles & More-Modell ein Erfolg. Vier Jahre nach dem Start des Programms besitzen schon 2,1 Millionen Vielflieger eine der kostenlosen grauen Karten. Die Gier der Meilensammler beschert der Lufthansa nach Schätzung von Branchenkennern Mehreinnahmen im dreistelligen Millionenbereich.

Die Zeche für die weltweite Schnäppchenjagd zahlen Gelegenheitsreisende und Großkunden mit erhöhten Ticketpreisen. Unternehmen wie Siemens, Daimler-Benz oder die Metallgesellschaft fordern von ihren Mitarbeitern inzwischen Auskunft über die dienstlich erflogenen Meilen und verpflichten sie, die Gratistickets für Geschäftsreisen zu nutzen. Doch in der Praxis ist das gar nicht so einfach.

Die Lufthansa weigert sich hartnäckig, den Firmen die dienstlich erworbenen Meilen ihrer Kunden zu melden. »Wir wollen uns nicht in das Vertragsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einmischen«, meint Lufthansa-Verkaufsdirektor Pichler.

Probleme bereitet angeblich auch der Datenschutz. Auskunft über den aktuellen Meilenstand bekommt danach nur das Mitglied selbst. Dabei ließen sich dienstlich und privat erworbene Meilen anhand der monatlichen Abrechnungen leicht auseinanderhalten.

Doch viele Angestellte weigern sich, ihrem Arbeitgeber das Bonuskonto zu offenbaren. Für die Firmen selbst wiederum lohnt es sich nicht, über die Flüge ihrer Mitarbeiter exakt Buch zu führen.

»Wir können doch nicht jedem unserer 23 000 Mitarbeiter einzeln nachlaufen«, wehrt Metallgesellschaft-Sprecher Volker Siegert ab. »Der Kontrollaufwand«, pflichtet Siemens-Chefsparer Jörk bei, »würde in keinem Verhältnis zu den erzielten Einsparungen stehen.«

Auch andere Miles & More-Bestimmungen verhindern, daß Firmen die Gratistickets im großen Stil nutzen können. Bei der Lufthansa dürfen die Bonuspunkte nur an Familienangehörige, nicht aber an Kollegen weitergereicht werden. Andere Fluggesellschaften, wie Swissair oder British Airways, sind da großzügiger.

Auch müssen die Tickets mindestens 14 Tage vorher gebucht werden, für Geschäftsreisende oft ein Handicap. Zu Stoßzeiten am Montag oder Freitag sind die Sondertickets ohnehin kaum erhältlich. Immer mehr Unternehmen wie VW oder der Darmstädter Pharmakonzern Merck überlassen ihren Angestellten die Gutschriften deshalb unbeschränkt zur privaten Nutzung.

Doch das kann die Firmen teuer zu stehen kommen. Clevere Mitarbeiter erfinden immer wieder Ausreden, weshalb sie auswärtige Termine ausgerechnet mit der Lufthansa ansteuern müssen. »In Wahrheit«, kritisiert Siemens-Controller Jörk, »wollen sie nur ihr Meilenkonto päppeln.«

Jörk und seine Mitstreiter wollen endlich Schluß machen mit der groß angelegten Meilensammlerei auf Firmenkosten. Dabei berufen sie sich auf das Gutachten des Konstanzer Universitätsprofessors Fezer.

Nach Ansicht des Juristen behindert das Miles & More-Programm den freien Wettbewerb, weil die Angestellten durch die Prämien übermäßig angelockt werden. »Selbst wenn andere Airlines billiger sind«, erläutert Fezer seinen Standpunkt, »besteht der Anreiz, Lufthansa zu buchen.«

Der Düsseldorfer Fachanwalt Ulrich Krieger geht sogar noch einen Schritt weiter. Der Wettbewerbsrechtler glaubt, daß die Lufthansa mit ihrem Modell gegen Paragraph zwölf des Wettbewerbsgesetzes verstößt. Die Vorschrift verbietet, Angestellte eines Unternehmens mit geldwerten Leistungen zu locken.

Die Lufthansa-Manager geben sich optimistisch. Seit die Bundesregierung Ende Dezember in ihrem Jahressteuergesetz entschieden hat, Vielfliegerrabatte bei den Kunden auch fortan nicht zu besteuern, halten sie ihr Modell für unangreifbar.

»Die Abgeordneten hätten dem Gesetz doch kaum zugestimmt«, frohlockt Lufthansa-Verkaufsdirektor Pichler, »wenn Miles & More gegen geltendes Recht verstoßen würde.«

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Prämien der Lufthansa

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