STROMPREISE Teurer Kuhhandel
Offenbar wird bei den Strompreisen nicht nur bundesweit, sondern auch regional über Gebühr kassiert: Gerade kürzte die Bundesnetzagentur weiteren großen Stromkonzernen die Durchleitungsgebühren um bis zu 16 Prozent. Nun werden Preistreibereien aus den Ländern bekannt: Ein offenbar verbreiteter Deal zwischen den Regulierungsbehörden einiger Bundesländer und den regional tätigen Stromnetzbetreibern kostet die Verbraucher Milliarden. Es gehe dabei laut Brancheninsidern um sogenannte Muster-Vertragsentwürfe, bei denen nur noch der Name der jeweiligen Landesregierung und des jeweiligen Netzbetreibers eingesetzt werden müssten. Eines dieser Dokumente liegt dem SPIEGEL vor. Der darin beschriebene Handel sieht vor: Das regulierte Unternehmen, in aller Regel ein Stadtwerk, darf sein Netz höher bewerten, als es gesetzlich vorgesehen ist. Deshalb kann die Firma eine höhere Abschreibungssumme gegenüber der Behörde geltend machen - was die Durchleitungsgebühren erhöht. Im Gegenzug verpflichtet sich die Firma, nicht gegen die Höhe der auf dieser Basis genehmigten Durchleitungsgebühren zu klagen. Die Zeche zahlt der Verbraucher: Von den 20 Milliarden Euro, die der Unterhalt der Stromnetze jedes Jahr kostet, entfallen etwa 3 Milliarden Euro auf Abschreibungen. Größere Stromkonzerne wie E.on, RWE, EnBW und Vattenfall profitieren von dieser Praxis jedoch nicht - sie werden von der Bundesnetzagentur reguliert, die derartige Tricks bisher nicht akzeptiert.