Teures Benzin: US-Automarkt bricht um über 18 Prozent ein - DER SPIEGEL
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Teures Benzin US-Automarkt bricht um über 18 Prozent ein

US-Autoindustrie im Benzinpreissschock: Die hohen Kosten für Sprit haben den Markt im Juni komplett einbrechen lassen. Chrysler trifft die Krise besonders hart. Die Ex-Daimler-Tochter muss ein Verkaufsrückgang von 36 Prozent verkraften.
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Detroit - Es sind die schlechtesten Verkaufszahlen seit 17 Jahren, sagen Analysten. Um 18,3 Prozent ist der US-Automarkt wegen der steigenden Benzinpreise im Juni eingebrochen. Vor allem verbrauchshungrige Fahrzeuge wie Pick-up-Trucks und Geländewagen erwiesen sich als nur noch schwer verkäuflich.

Insgesamt wurden im vergangenen Monat rund 1,2 Millionen Autos verkauft, über 266.000 weniger als im Juni 2007. Den größten Einbruch unter den US-Herstellern musste die ehemalige Daimler-Tochter Chrysler mit einem Minus von beinahe 36 Prozent hinnehmen. Ford   verlor fast 28 Prozent, vor allem wegen der noch immer stark in der Modellpalette vertretenen Pick-ups und Geländewagen. Der Opel-Mutterkonzern General Motors   (GM) kam mit minus 18 Prozent noch vergleichweise glimpflich davon.

Die deutschen Hersteller konnten vor allem mit kleineren Autos punkten: Daimler   meldete ein Verkaufsplus von 12,9 Prozent, praktisch allein dank des Kleinstwagens Smart, der erst seit Mitte Januar in den USA verkauft wird. Die Kernmarke Mercedes-Benz verzeichnete im Juni einen Rückgang um 0,1 Prozent. Daimler verkaufte im Juni in den USA fast 19.600 Mercedes und über 2500 Smart.

BMW   war mit dem Mini erfolgreich, verlor aber insgesamt 11 Prozent. Die Verkäufe der Kernmarke BMW gingen um 17 Prozent auf 20.944 Fahrzeuge zurück. Mini konnte dagegen um 24,8 Prozent auf 5211 verkaufte Autos zulegen. VW berichtete über ein Plus von insgesamt 0,3 Prozent auf knapp über 23.000 Autos. Am besten läuft in den USA mit einer Steigerung von 25,9 Prozent der Passat Kombi. Porsche   verkaufte im Juni 2650 Fahrzeuge in den USA, ein Minus von 19 Prozent. Der Sportwagenhersteller führte das vor allem auf den Modellwechsel beim 911 Carrera zurück. Die neue Version werde erst ab September auf den nordamerikanischen Markt kommen.

Selbst der für seine Flexibilität gerühmte japanische Hersteller Toyota   musste auf dem US-Markt einen Verkaufsrückgang um 21 Prozent vermelden. Toyota konnte einfach nicht genug seiner spritsparenden Modelle Prius, Corolla und Yaris liefern. Nissan verkaufte rund 18 Prozent weniger Autos. Nur Honda   konnte dank eines größeren Angebots kleinerer und sparsamerer Fahrzeuge um ein Prozent zulegen.

Insgesamt gingen die Verkaufszahlen auf dem US-Automarkt im ersten Halbjahr um zehn Prozent zurück. Der Analyst Jesse Toprak von der Autoinformationsseite Edmunds.com erklärte, die Hersteller hätten nicht schnell genug auf den steilen Anstieg der Spritpreise seit März reagiert. Einige Autobauer seien überrascht worden und hätten zu wenig Kleinwagen im Angebot. Ford beispielsweise habe versucht, die Produktion in der einzigen Fabrik in den USA für den Fokus zu steigern, dennoch die Nachfrage aber nicht befriedigen können. Ford und GM hätten zwar neue Kleinwagenmodelle angekündigt. Es werde aber mindestens noch zwei Jahre dauern, bis sie von den Bändern laufen könnten.

In Deutschland müssen die Autofahrer zwar auch immer mehr Geld an den Tankstellen lassen - bislang sind die Folgen für die Hersteller aber vergleichsweise glimpflich.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat nach einem leichten Zulassungsplus auf dem deutschen Automarkt im Juni seine Prognose für das Gesamtjahr bekräftigt. Im Juni seien mit 304.000 Pkw ein Prozent mehr Wagen neu zugelassen worden als im Vorjahresmonat, teilte der Verband am Mittwoch in Berlin mit. Für die ersten sechs Monate ergebe sich damit ein Plus von vier Prozent auf 1,63 Millionen. Im Gesamtjahr gehe der Verband weiter davon aus, dass sich der Mark bei 3,2 Millionen Neuwagen stabilisiere.

ase/AP/dpa-AFX