Tiefe Rezession: Preise in den USA fallen erstmals seit 54 Jahren - DER SPIEGEL
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Tiefe Rezession Preise in den USA fallen erstmals seit 54 Jahren

Die Verbraucherpreise sinken, die Industrieproduktion bricht ein: Die US-Wirtschaft muss neue Negativmeldungen verkraften, Konzerngiganten wie Intel und Wal-Mart verunsichern die Börse mit schwachen Prognosen. Experten sehen die amerikanische Ökonomie in einer tiefen Rezession.
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Washington - US-Präsident Barack Obama und Notenbankchef Ben Bernanke hatten sich alle Mühe gegeben, Optimismus zu verbreiten. Am Dienstag sprachen beide von "Hoffnungsschimmern" und "zaghaften Anzeichen" für eine Erholung der Konjunktur. Doch bereits einen Tag später wird die US-Wirtschaft von neuen Hiobsbotschaften erschüttert.

Supermarkt in Miami: Preise für Lebensmittel sinken

Supermarkt in Miami: Preise für Lebensmittel sinken

Foto: AFP

So sind die Verbraucherpreise in den USA erstmals seit 54 Jahren gesunken. Im Vergleich zum Vorjahresmonat fielen sie im März um 0,4 Prozent, gegenüber Februar um 0,1 Prozent, teilte das US-Arbeitsministerium mit.

Vor allem Energie und Lebensmittel verbilligten sich. Der Kernindex ohne die beiden schwankungsanfälligen Branchen erhöhte sich im Vergleich zum März 2008 jedoch um 1,8 Prozent. Auch diese sogenannte Kernrate wird Experten zufolge in den kommenden Monaten sinken. "Die Daten stehen für eine Volkswirtschaft, die sich in einer tiefen Rezession befindet", sagte Analyst Peter Kenny von Equity Markets. Angesichts von Überkapazitäten in der Wirtschaft und steigender Arbeitslosigkeit dürften sich viele Waren und Dienstleistungen verbilligen, sagte ING-Analyst James Knightley.

Schlechte Nachrichten kamen auch von der amerikanischen Industrie: Diese hat ihre Produktion im März stärker gedrosselt als erwartet. Im gesamten verarbeitenden Gewerbe sank der Ausstoß um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat, teilte die US-Notenbank mit. Es ist der sechste Rückgang in Folge.

Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von lediglich 1,0 Prozent gerechnet. Verglichen mit dem Vorjahresmonat lag der Rückgang bei fast 13 Prozent. Die US-Industrie produziert inzwischen so wenig wie zuletzt vor mehr als zehn Jahren. Die Kapazitätsauslastung lag im März nur noch bei 69,3 Prozent und damit so niedrig wie noch nie seit Beginn der Datenerhebung 1967.

Experten der Commerzbank   rechnen weiterhin mit einem Einbruch der Industrieproduktion. "Vor dem Hintergrund der schwachen Binnen- und Exportnachfrage dürfte die Produktion in den nächsten Monaten weiter gekürzt werden", hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Allerdings dürfte sich das Tempo des Einbruch künftig etwas abschwächen. Die freien Kapazitäten in der Industrie deuten nach Einschätzung der Experten auf weitere Entlassungen hin.

US-Börsen starten verhalten

Die wichtigsten US-Aktienindizes starteten am Mittwoch mit einem leichten Minus in den Handel. Der Dow Jones wie auch der breiter gefasste S&P-500 verloren 0,5 Prozent, der Index der Technologiebörse Nasdaq gab ein Prozent nach. Später am Nachmittag erholte sich der Leitindex und legte zeitweise um 0,5 Prozent zu.

Hauptgrund waren neben der schwächelnden Industrieproduktion enttäuscht aufgenommene Nachrichten von Wal-Mart  , Intel   und Abbott Laboratories  , sagten Händler. Wal-Mart-Chef Mike Duke sieht demnach kein schnelles Ende der Rezession. Es gebe nach wie vor noch eine große Spannung, sagte Duke dem Fernsehsender NBC am Mittwoch. Die Rezession verlaufe nicht V-förmig. Deswegen werde die Konjunktur nicht nach einem Absinken wieder sofort ansteigen.

Die am Vortag vom US-Handelsministerium veröffentlichten Umsätze für den amerikanischen Einzelhandel im Monat März hatten zudem überraschend einen Rückgang von 1,1 Prozent aufgewiesen. Auch Wal-Mart hatte im März weniger Umsatz erwirtschaftet als erwartet. Viele Verbraucher stünden am Monatsende mit nur noch sehr wenig Geld da, sagte Duke. Die Krise werde den Lebensstil vieler Familien nachhaltig verändern.

Eher positiv aufgenommene Konjunkturdaten spielten dagegen zunächst kaum eine Rolle. So hat sich der New Yorker Empire-State-Index im April überraschend deutlich vom Rekordtief im Vormonat erholt. Der Index misst die Geschäftstätigkeit des produzierenden Gewerbes im Staat New York. Ein Stand unter Null deutet einen Rückgang der Aktivität an.

Der Index stieg von minus 38,2 Punkten auf minus 14,7 Punkte, teilte die regionale Vertretung der US-Notenbank am Mittwoch in New York mit. Im Vormonat war der Wert auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen 2001 gesunken. Volkswirte hatten für April nur mit einem leichten Anstieg auf minus 35,0 Punkte gerechnet.

cte/Reuters/AP/dpa-AFX