»Tiefpunkt gesehen« - DER SPIEGEL
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INTERNET-AKTIEN »Tiefpunkt gesehen«

Fondsmanager Klaus Hagedorn, 57, von der Frankfurter Privatbank Metzler über die Zukunft der Internet-Aktien
• aus DER SPIEGEL 24/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Internet-Aktien sind in den vergangenen Monaten drastisch eingebrochen. Warum?

Hagedorn: Die weit in der Zukunft liegenden Erträge der Internet-Aktien müssen wegen des deutlichen Zinsanstiegs in Amerika mit höheren Beträgen abgezinst werden. Außerdem haben wir eine riesige Flut von Neuemissionen gesehen, so dass Fondsmanager begannen, nüchterner zu selektieren. Die Spreu beginnt sich vom Weizen zu trennen, zwei Drittel der Firmen werden nicht überleben.

SPIEGEL: Welche Firmen werden von der Börse verschwinden?

Hagedorn: Zur Spreu gehören die Unternehmen, die nur einen schönen Geschäftsplan haben und das Geld von der Börse ausschließlich in die Werbung stecken. Das funktioniert nicht mehr. Wer es nicht schafft, in den nächsten zwei Jahren mehr Einnahmen als Ausgaben zu erzielen, wird verschwinden. Unternehmen wie Baltimore Technologies, Entrust oder die deutsche Software-Firma Brokat, die sich um die Infrastruktur und die Sicherheit im Internet kümmern, bieten noch die besten Überlebenschancen.

SPIEGEL: Ist der Zeitpunkt zum Einstieg schon gekommen?

Hagedorn: Die Zinsen werden in den USA nicht weiter steigen. Deshalb glaube ich, dass wir den Tiefpunkt bei den guten Internet-Aktien, die auf Dauer überleben werden, schon gesehen haben. Die internationalen Marktführer AOL, Intershop, Inktomi oder Yahoo sind wieder halbwegs preiswert zu haben. Ich würde keine Aktie kaufen, die in der Korrektur 80 Prozent gefallen ist. Die werden vermutlich auch noch die letzten 20 Prozent ihres Wertes verlieren.

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