Toll Collect Siemens bleibt an Bord
Hamburg - Nun ist es also doch nicht Siemens . Statt des Münchener Konzerns liefert das kleine Paderborner Softwareunternehmen OMP (2003: Umsatz circa acht Millionen Euro) die zweite Softwareversion der On-Board-Units (Obus) für die Lkw-Maut. Der Maut-Betreiber Toll Collect habe die Zusammenarbeit mit dem Technologiekonzern Siemens gekündigt, heißt es in einem Artikel der "Financial Times Deutschland". Die Zeitung beruft sich dabei auf mit der Situation vertraute Quellen.
Angeblich sei das Konsortium mit der Arbeit von Siemens nicht zufrieden gewesen und habe deshalb OMP für die Lieferung der Maut-Software 2.0 den Vorzug gegeben. Siemens solle aber weiterhin die Geräte der zweiten Generation bauen.
Bei Siemens reagiert man mit großer Verwunderung über den Bericht. Keineswegs beende Toll Collect die Zusammenarbeit. So liefere der Konzern weiterhin die Hardware, die in den Lkw eingebaut werde, sowie das dazu gehörige Betriebssystem, sagte Siemens-Sprecher Michael Scheuer im Gespräch mit "manager-magazin.de". Auf dieser Betriebssoftware sei die Maut-Applikation installiert, die von OMP komme und offensichtlich auch weiterhin kommen werde.
Siemens sei vor einigen Monaten von verschiedener Seite gebeten worden, OMP bei der Erstellung der Version 1.0 zu helfen, erklärte der Sprecher weiter. Es sei jedoch von Anfang an klar gewesen, dass diese Zusammenarbeit nach Version 1.0 beendet werde. Die Version 2.0 komme von OMP.
Siemens bleibt die Koordination. Tatsächlich hieß es in einer Pressemitteilung vom März 2004, die Toll Collect veröffentlichte: "Die Verantwortung für die technische Projektkoordination zur Entwicklung der Obu-Softwareversion 2.0 übernimmt Siemens". OMP und Siemens hätten schon bei der Entwicklung der Version 1.0 eng zusammengearbeitet, bestätigte gegenüber "manager-magazin.de" auch Jan Stehr, Prokurist bei OMP. Auch wenn sein Chef, Arjen Klei, in der "FTD" damit zitiert wird, dass das Unternehmen mit Siemens wenig Berührungspunkte gehabt hätte. Schließlich seien sie Wettbewerber gewesen.
Wo Zusammenarbeit notwendig ist
Stehr sagte indes, die Zusammenarbeit mit Siemens sei allein schon deshalb notwendig gewesen, da Applikation, Betriebssystem sowie Hardware aufeinander abgestimmt werden müssten. Dies gelte auch für Version 2.0. Falls Toll Collect auch Siemens mit der Entwicklung einer eigenen Maut-Applikation beauftragt habe, sei das nicht verwunderlich. Im Gegenteil, es sei völlig normal, dass bei einer so kritischen Softwareapplikation wie für die Maut zunächst mit zwei Anbietern gearbeitet werde.
"Mit der Version 2.0 haben wir nichts mehr zu tun", sagte Scheuer. So habe Siemens auch keine Maut-Applikation entwickelt, stellt der Siemens-Sprecher klar. Bei der Zusammenarbeit für Version 1.0 sei es allein um eine Hilfestellung gegangen. Der Konzern liefere nun weiterhin die Obus einschließlich des Betriebssystems.
Die Softwareversion 1.0, mit der die Obus bislang ausgestattet sind, umfasst bisher eine digitale Karte des mautpflichtigen Straßennetzes und feste Gebührenparameter, die allerdings noch nicht per Mobilfunk aktualisiert werden können. Mit Version 2.0, die ab 2006 zur Verfügung stehen soll, wird dies anders werden. Dann können Karte und Gebührenparameter per Funk auf den neusten Stand gebracht werden - sprich aktuelle Straßenführungen oder Gebührenänderungen leicht integriert werden.
Noch im März hatte Siemens-Chef Heinrich von Pierer gesagt, dass das Maut-Projekt ein Erfolg werden müsse. An dem Maut-Konsortium ist der Konzern jedoch nicht beteiligt. Derzeit sieht es so aus, als ob sich nach einem desaströsen Projektverlauf nun doch noch alles zum Guten wenden könne.
Ob sich die Maut-Technik allerdings tatsächlich als Exportschlager erweisen wird, wie Unternehmen und Regierung erhoffen, muss sich noch beweisen. In Großbritannien sollen die Konsortiumsteilnehmer DaimlerChrysler und Deutsche Telekom beim Bieterverfahren um den Aufbau eines Maut-Systems zumindest ausgeschieden sein. Haftungsfragen seien dafür der Grund, nicht die Technik. Siemens hätte dagegen noch die Möglichkeit, in die Finalrunde zu kommen.