Tourismus-Krise Leaving Las Vegas
New York - Eine Nacht im Las Vegas Hilton kostet nur noch 39 Dollar. Das Aladdin-Casino, ein 2567-Zimmer-Haus im Tausend-und-eine-Nacht-Stil, hat den Bankrott erklärt. 250 Tagungen wurden abgesagt. Die Zahl der Anträge auf Arbeitslosengeld hat sich verdoppelt, übertroffen nur noch von der Zahl der leeren Hotelzimmer.
Die schlechten Nachrichten aus Las Vegas treffen täglich ein. Vor dem Terroranschlag vom 11. September galt die Spielerstadt mit fünf Prozent jährlichem Wirtschaftswachstum noch als Oase in der lahmenden US-Wirtschaft. Nun führt sie die von der Wirtschaftsforschungsfirma Economy.com erstellte Liste der am schlimmsten betroffenen Städte mit an.
Fairerweise ist anzumerken, dass das Aladdin-Casino schon vorher in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Auch zeigen die Belegungsraten der Hotels erste Zeichen der Erholung. "Wir stehen besser da, als viele denken", sagt eine Sprecherin der Tourismusbehörde. Doch die Attacke, da gibt es keinen Zweifel, hat die Tourismus-Hochburg ins Herz getroffen. Bereits wenige Tage nach den Angriffen riefen die Stadtoberen eine Nottruppe zusammen: Die Tourism Stability Task Force.
15.000 Hotel-Mitarbeiter entlassen
70 Prozent aller Jobs in Las Vegas sind direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig, sagt David Givens, Wirtschaftsforscher bei Economy.com. Die Hälfte der 36 Millionen Besucher pro Jahr kommt per Flugzeug. Keine andere amerikanische Stadt, außer Honolulu auf Hawaii, lebt in gleichem Maße vom Flugzeug-Tourismus. In Disney World bei Orlando etwa reisen nur 20 bis 30 Prozent aller Besucher im Flugzeug an.
Zwar liegt der "Strip", die berühmte Glitzermeile, 2200 Meilen vom "Ground Zero" in Manhattan entfernt. Aber die Wirkung der fliegenden Bomben war so verheerend, als ob sie das hiesige Hotel "New York, New York" getroffen hätten. 15.000 Mitarbeiter der Hotels und Casinos wurden bereits entlassen. Die Arbeitslosenrate sei schlagartig von 5,1 Prozent im August auf sieben Prozent angestiegen, schätzt Keith Schwer, Professor der Universität von Nevada.
Noch werden in der einstigen Boomtown mehr neue Jobs geschaffen als vernichtet, sagt Givens. Doch er hat das Arbeitsplätzewachstum für das vierte Quartal 2001 von 3,9 auf 1,6 Prozent nach unten korrigiert. "Und das ist noch optimistisch." Ebenso werde die Wirtschaft im dritten und vierten Quartal schrumpfen. Vor der Attacke hatte es so ausgesehen, als könne Las Vegas der Rezession entgehen.
Der McCarran-Flughafen, der siebtgrößte des Landes, hat inzwischen 95 Prozent seines Betriebs wieder aufgenommen. Doch die Flieger sind immer noch halb leer. Besonders fatal: Die Herbstmonate sind die Hauptsaison für Tagungen in Las Vegas. Hunderte wurden bereits abgesagt, andere fallen kleiner aus als geplant. Die Comdex, die größte Computermesse der USA, wird im November zwar stattfinden. Doch statt 200.000 Besuchern wie im vergangenen Jahr werden nur 150.000 erwartet.
Lesen Sie im zweiten Teil, wie Las Vegas mit Werbekampagnen und verlockenden Angeboten versucht, seine Gäste zurückzugewinnen.Klicken Sie hier!