Transrapid: Experten stellen Technologie nicht in Frage - DER SPIEGEL
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Transrapid Experten stellen Technologie nicht in Frage

Was wird aus dem Transrapid? Befürworter warnen davor, nach dem tragischen Unfall mit mehreren Toten die Magnetbahn endgültig aufzugeben. Doch längst zeichnet sich ab, dass der Exportschlager der deutschen Wirtschaft ein milliardenteurer Ladenhüter ist.
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Hamburg - Transrapid-Befürworter warnten heute, vorschnell über die Technik zu urteilen. Sicherheit und Leistungsfähigkeit stünden außer Frage. "Im jahrelangen Betrieb in Deutschland und China hat sich der Transrapid bisher als sehr sicheres Verkehrsmittel erwiesen", sagte Ex-Finanzminister Hans Eichel (SPD), der dem Parlamentarischen Gesprächskreis Transrapid vorsitzt und sich seit Jahren für die Magnetschwebetechnik einsetzt.

Ähnlich äußerte sich der FDP-Verkehrspolitiker Horst Friedrich. "Der Transrapid gehört zu den innovativsten und technologisch anspruchvollsten Leistungen Deutschlands. Er hat sich in jahrelangen Erprobungen und im Einsatz in China als außerordentlich sicher erwiesen", sagte er. "So tragisch der heutige Unfall auch ist - er hat mit menschlichem Versagen zu tun", erklärte Friedrich. "Ich halte es für falsch, diese Technologie nun nicht weiterzuverfolgen."

Bei Transrapid International, dem Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und ThyssenKrupp, ist man schockiert über den Unfall, sieht das Projekt allerdings nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Ein Siemens-Sprecher erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE, die Magnetbahn sei "technisch ausgereift".

Der Transrapid hat keine Räder, sondern verfügt über ein elektromagnetisches Antriebssystem. Der Zug fährt damit auf einer auf meterhohen Stelzen stehenden Betonspur - bis zu 450 Stundenkilometer schnell. "Zwei Magnetschwebebahnen können nicht zusammenstoßen, weil sich das Magnetfeld immer nur in eine Richtung bewegt", sagte der Unternehmenssprecher. "Zwei Bahnen können auf einer Spur also schon technisch gesehen nie aufeinander zufahren, und es ist auch nicht möglich, dass eine fahrende Bahn auf eine stehende trifft." Anders sei dies, wenn ein herkömmliches Fahrzeug auf dem Fahrweg stehe. "Ein solcher Wagen ist von dem Magnetfeld völlig unbeeinflusst. So etwas darf deshalb nicht auf der Trasse stehen. Es lag hier mit sehr großer Sicherheit menschliches Versagen vor."

Eigentlich sollte der Transrapid längst im Normalbetrieb in Deutschland fahren. Union und FDP sind für die Magnetschwebe-Technologie, ebenso mehrheitlich die SPD. Die Grünen und die Linkspartei sind allerdings dagegen. Bisher scheiterte der Bau von Strecken vor allem am Geld - und daran, dass auch ausländische Interessenten aus finanziellen Gründen absagten. Der Transrapid ist ewiger Exportkandidat - und steht nach dem tragischen Unfall möglicherweise erneut zur Disposition.

Ewiger Exportkandidat

Bislang wird der deutsche Transrapid nur an einem einzigen Ort in der Welt im öffentlichen Personenverkehr eingesetzt: in Shanghai. Dort fährt er in sieben Minuten die knapp 30 Kilometer lange Strecke zwischen internationalem Flughafen und dem Stadtzentrum. Dort allerdings gibt es auch Probleme: Nur die wenigsten Einheimischen können sich die umgerechnet sieben Euro teure Fahrt leisten, die Züge sind meist leer. Die Fahrpreise sollen Berichten zufolge sinken.

Anfang der Woche hatte ThyssenKrupp damit gedroht, die Technologie an China zu verkaufen, sollte es bis zum Frühjahr 2008 nicht zu einer Einigung über eine deutsche Referenzstrecke kommen. Damit solle wenigstens ein Teil der Milliardeninvestitionen wieder eingenommen werden. China plant eine zweite Verbindung von Schanghai in die 160 Kilometer entfernte Millionenmetropole Hangzhou. Allerdings arbeiten chinesischen Ingenieure an einer eigenen Magnetschwebe-Technologie. Ihnen wurde in der Vergangenheit vorgeworfen, die deutsche Technologie zu kopieren.

Siemens und ThyssenKrupp hoffen aber auch, den Zuschlag für eine 35 Kilometer lange Strecke vom Stadtzentrum zum Expo-Gelände in Shanghai zu bekommen; die Expo findet dort 2010 statt.

Nur noch Münchner Strecke im Gespräch

Strecken zwischen Hamburg und Berlin sowie eine Regionalverkehrsstrecke im Ruhrgebiet sind bisher aus finanziellen Gründen gescheitert. Anfang 2000 kippte die damals rot-grüne Bundesregierung die Transrapid-Strecke Hamburg-Berlin, stattdessen wurde die ICE-Strecke ausgebaut. Auch Pläne für Verbindungen in den USA, zwischen Los Angeles und Las Vegas, zwischen Orlando und dem Freizeitpark "Disney World" oder an der Ostküste wurden bisher nicht beschlossen. Der US-Kongress hat im vergangenen Jahr lediglich 90 Millionen Dollar für Vorstudien zu Transrapid-Strecken bewilligt. Auch in Großbritannien, den Niederlanden und in Arabien blieb es bei Transrapid-Plänen - Umsetzung ungewiss.

Für Deutschland ist nun eine Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Flughafen in München im Gespräch. Eine Realisierung des schätzungsweise 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro teuren Projekts ist aber noch fraglich, weil das Geld fehlt. Der Bund will 550 Millionen Euro stellen, die Deutsche Bahn 185 Millionen. Möglicherweise werde die EU noch bis zu 200 Millionen Euro dazuzahlen - bleiben noch knapp eine Milliarde Euro, die Bayern schultern muss. Bayern verlangt eine höhere Beteiligung des Bundes.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte vor dem Unglück betont, dass es sich dabei vor allem um ein "bayerisches Projekt" handele, das aber wegen der Technologie gleichwohl "hohe bundespolitische Bedeutung genieße". Für Ende des Monats hatte er Verhandlungen mit der bayerischen Landesregierung angekündigt. Jetzt steht das Projekt unter neuen Vorzeichen.

kaz/dpa/AP

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