Transrapid-Projekt Kapitulation in Shanghai?
München - In Fall eines Scheiterns des Münchner Projekts solle die Schlüsseltechnologie den Chinesen angeboten werden, berichtet das "Handelsblatt" am Freitag. Damit stiege der Druck auf die Politik, eine haltbare Finanzierungslösung für die innerdeutsche Strecke zu finden.
Interesse der Chinesen gibt es laut "Handelsblatt" durchaus: Nach dem erfolgreichen Start der Transrapid-Verbindung in Shanghai, die bereits sechs Monate nach der Übergabe an die chinesische Betreibergesellschaft fahrplanmäßig eine nahezu hundertprozentige Zuverlässigkeit erreicht, hoffe die Volksrepublik auf einen umfassenden Technologietransfer.
Bei ThyssenKrupp hieß es am Abend, man nehme den Bericht mit Verwunderung zur Kenntnis. "Wir können das so nicht bestätigen", sagte eine Sprecherin. In Unternehmenskreisen hieß es, erst vor wenigen Tagen habe es zum Thema Transrapid ein Gespräch der Konsortiumsmitglieder Siemens und ThyssenKrupp mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu gegeben. Dort seien die Gesprächspartner nicht so verblieben wie in der Zeitung geschildert.
Deutsche Ingenieure schon ausgebootet?
Ein Siemens-Sprecher sagte, zu einer solchen hypothetischen Frage könne das Unternehmen keine Stellung nehmen: "Wir sehen nach wie vor in dem Magnetbahn-Projekt München ein sinnvolles und realisierbares Projekt." Die Planungs- und Vermarktungsgesellschaft Transrapid International (TRI), an der das Magnetbahnkonsortium maßgeblich beteiligt ist, habe die Ausstiegsabsichten aber bestätigt, heißt es im "Handelsblatt"-Vorabbericht. "Die auch aus Kostengründen erforderliche technologische Weiterentwicklung des Transrapid lässt sich nur durch Erprobungen im Alltagsbetrieb absichern", zitiert die Zeitung einen Sprecher.
An die Betriebsdaten des Systems in Shanghai, das den internationalen Flughafen jede Viertelstunde über 38 Kilometer in sieben Minuten mit dem Finanzdistrikt Pudong verbindet, lasse der chinesische Betreiber die deutschen Transrapid-Ingenieure aber schon heute nicht mehr heran, so die Zeitung.
"Commander Wu": Preis muss drastisch sinken
Früher am Donnerstag hatten die Chinesen mitgeteilt, sie sähen gute Chancen für den Bau einer weiteren Strecke. Allerdings müssten ThyssenKrupp und Siemens den Preis drastisch senken. "Wir fördern aktiv die Verlängerung des Transrapids von Schanghai nach Hanzhou", sagte der Chef der Transrapid-Projektgesellschaft, Wu Xiangming, in Shanghai. Das Vorhaben für den Bau der 170 Kilometer langen Trasse werde von Teilen der Regierung unterstützt.
Mit dem deutschen Konsortium liefen Verhandlungen, sagte der in den Medien wegen seines äußerst rüden Stils als "Commander Wu" bekannt gewordene Manager. Der Bau der Strecke vom Flughafen habe pro Kilometer umgerechnet rund 30 Millionen Euro gekostet. Um den Neubau wirtschaftlich betreiben zu können, müssten die Kosten auf 15 Millionen Euro sinken. Das könnte auch erreicht werden, indem verstärkt Komponenten in China gefertigt und weiterentwickelt werden.
Der Geschäftsführer der Bayerischen Magnetbahnvorbereitungs-Gesellschaft, Josef Zeiselmair, betonte, für die Transrapid-Anbindung des Münchner Flughafens werde das Planfeststellungsverfahren noch in diesem Jahr eröffnet. Er rechne mit einer Dauer von 18 Monaten, so dass etwa Mitte 2006 mit dem Bau begonnen werden könnte. Aus seiner Sicht könne die die 37 Kilometer lange Strecke 2010 in Betrieb gehen.