Trichets Zinsdrohung Vollbremsung im Dax
Frankfurt am Main - Mit der Ankündigung höherer Zinsen hat EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die anfänglichen Kursgewinne weitgehend zunichte gemacht und auch die Aussichten für die kommende Woche belastet. Der Dax beendete den Xetra-Handel gerade noch 0,5 Prozent im Plus bei 5124,50 Punkten, nachdem er zuvor auf ein Dreieinhalbjahreshoch von 5162,51 Zählern geklettert war. Der MDax verbesserte sich um 0,5 Prozent auf 7054 Zähler. Der TecDax stieg um 0,5 Prozent auf 582 Punkte.
"Er hätte auch einfach sagen können: 'Wir werden die Zinsen am 1. Dezember um 25 Basispunkte anheben'", kommentierte Analyst Marc Ostwald von Monument Securities in London Trichets Äußerungen.
An den Finanzmärkten wird bereits seit Wochen über den Zeitpunkt einer Straffung der Geldpolitik spekuliert. Viele Börsianer hatten bereits damit gerechnet, dass die EZB bei ihrer nächsten Ratssitzung am 1. Dezember den Leitzins, der aktuell bei zwei Prozent liegt, anheben wird.
Zu den größten Dax-Gewinnern zählten die Aktien der Münchener Rück mit einem Kursgewinn von rund 1,5 Prozent. "Die Einkaufstour von Swiss Re in Amerika hat wieder ein wenig Fantasie in den Wert gebracht", sagte ein Händler. Swiss Reinsurance will von General Electric (GE) für 6,8 Milliarden Dollar den Bereich GE Insurance Solutions, den fünftgrößten Rückversicherer der Welt, übernehmen.
Siemens profitiert von GE-Prognose
Mit Siemens zählte auch der schwerste Dax-Titel zu den Gewinnern. In der Spitze kletterten Siemens um zwei Prozent und reagierten damit Händlern zufolge auf die Anhebung der Geschäftsprognose durch den Branchenprimus General Electric. "Wenn der Größte der Branche seinen Ausblick anhebt, ist das gut für Siemens", sagte ein Händler.
Andere Händler verwiesen darauf, dass im bisherigen Jahresverlauf die Siemens-Aktien zu den Schlusslichtern im Dax zählten und die Aktien somit Nachholbedarf hätten. Während der Index um fast 20 Prozent zulegte, belief sich das Plus der Siemens-Aktie auf moderate drei Prozent. GE hatte seine Prognose für das Gewinnwachstum 2006 angehoben und darüber hinaus eine höhere Quartalsdividende angekündigt.
Infineon weiter in Ungnade
Die Aktien von Infineon lagen zeitweise am Dax-Ende. Zum, Handelsschluss notierten sie aber wieder ein Plus von 0,6 Prozent auf 8,00 Euro. Der vor der Aufspaltung stehende Chiphersteller hatte für das vierte Quartal einen überraschend deutlichen Verlustrückgang ausgewiesen. Positiv sei, dass der Konzern in der Speicherchipsparte nach zuvor hohen Verlusten wieder Geld verdient habe, sagten Händler.
Analysten und Händler bemängelten aber wie schon am Vortag die Börsenpläne für die Speichersparte, die am Vortag angekündigt worden war. Offenbar verspreche sich Infineon davon einen höheren Preis als von einem Verkauf. "Wir hoffen, dass sich das als richtig erweist", erklärten die Analysten der WestLB, die ihre Empfehlung für die Aktien zudem reduzierten.
Im TecDax führten die Aktien von Tele Tele Atlas mit einem Plus von 12,5 Prozent auf 20,92 Euro die Gewinnerliste an. Die Aktien des Anbieters digitaler Landkarten profitierten Händlern zufolge vom Ende der Aktienplatzierung. "Die Platzierung ist über die Bühne und damit die Unsicherheit aus dem Markt", sagte ein Händler. Tele Atlas zählten zu den zehn meistgehandelten Werten auf Xetra.
Der Euro notierte gegenüber dem Dollar zunächst etwas leichter. Die Europäische Zentralbank legte den Referenzkurs am frühen Nachmittag bei 1,1679 Dollar fest nach 1,1692 Dollar am Vortag. Nach der wenig später erfolgten Andeutung einer Leitzinserhöhung im Euroraum durch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet konnte die Gemeinschaftswährung aber Boden gutmachen. Kurz vor 18.00 Uhr wurde der Euro bei 1,1756 Dollar gehandelt.
Neue Fusionsphantasien sorgten für Kaufstimmung am New Yorker Aktienmarkt. Der Dow Jones stieg im frühen Handel um 0,4 Prozent auf 10.767 Punkte, dem höchsten Stand seit acht Monaten. Der technologieorientierte Nasdaq Composite stieg um 0,5 Prozent auf 2232 Punkte. In Japan stiegen die Kurse auf den höchsten Stand seit fast fünf Jahren. Der Nikkei-Index legte bis Handelsschluss 1,5 Prozent auf 14.623 Zähler zu.