Trittin strahlt weiter: Erstes Atomkraftwerk abgeschaltet - DER SPIEGEL
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Trittin strahlt weiter Erstes Atomkraftwerk abgeschaltet

In Deutschland hat am Freitag der Abschied vom Atomzeitalter begonnen: Um 08.32 Uhr wurde im niedersächsischen Stade nach fast 32-jähriger Betriebszeit der dortige Atomreaktor endgültig abgeschaltet. Kritik hagelte es von allen Seiten. Nur Umweltminister Trittin strahlte.
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Stade - Bundesumweltminister Jürgen Trittin begrüßte die Abschaltung. "Das ist ein gutes Signal und es zeigt, dass die Atomenergie in Deutschland keine Zukunft mehr hat", sagte der Grünen-Politiker.

Mehr als drei Jahre nach der Einigung von Bundesregierung und Energiewirtschaft auf den Atomausstieg wurde damit das erste AKW vorzeitig stillgelegt, ein Jahr früher als geplant. Der Atomkompromiss sieht vor, dass schrittweise alle 19 deutschen Kernkraftwerke vom Netz gehen werden. Wenn sich jedoch die politischen Rahmenbedingungen änderten, könne Stade "nur eine Episode" gewesen sein, sagte Hohlefelder. "Man sollte sich die Kernenergie als Zukunftsoption offen halten."

Das AKW Stade produzierte seit Inbetriebnahme 150 Milliarden Kilowattstunden Strom. Diese Menge würde nach Unternehmensangaben ausreichen, eine Großstadt wie Hamburg zwölf Jahre mit Strom zu versorgen. Der Abriss des 660-Megawatt-Reaktors ist bis zum Jahr 2015 geplant und wird laut E.ON rund 500 Millionen Euro verschlingen. "Dafür sind entsprechende Rückstellungen gebildet worden, und die sind ausreichend", betonte Hohlefelder.

Rund die Hälfte der etwa 300 AKW-Beschäftigten wird während des Abrisses weiter in Stade arbeiten. Den übrigen Mitarbeitern wurden Arbeitsplätze an anderen Standorten angeboten. Allein der Abbau des Reaktordruckbehälters wird fünf Jahre dauern. Von den insgesamt 400.000 Rückbaumasse müssen laut E.ON 3.000 Tonnen radioaktiver Abfall entsorgt werden. Für den Abriss soll auf dem Kraftwerksgelände eigens ein atomares Zwischenlager errichtet werden, dass die radioaktiv belasteten Komponenten bis zu 40 Jahre aufnehmen soll. Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander kündigte an, dass die ersten Genehmigungen für den Abriss des AKW im Sommer 2004 erteilt würden.

Die Regierungskoalition begrüßte die Abschaltung. "Das Ende einer nicht zukunftsfähigen Risikotechnologie wird heute sichtbar", erklärte SPD-Generalsekretär Olaf Scholz. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckhardt erklärte, mit der Stilllegung Stades beginne "der Ausstieg aus einem technologischen Irrweg". `Wenn etwa 2022 das letzte deutsche AKW vom Netz gehen wird, wächst in Stade wieder eine Wiese".

Unzufrieden zeigte sich hingegen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Das Abschalten sei kein Grund zum Feiern. Die mit dem Atomkonsens vereinbarte Rest-Strommenge von rund 5.000 Gigawattstunden werde lediglich auf andere AKW übertragen und verlängere deren Laufzeit. Scharfe Kritik übte Hohlefelder an Bundesumweltminister Trittin, der die Stilllegung Stades in Berlin feierte. "Weder für die Region noch für uns und unsere Mitarbeiter gibt es einen Grund zum Feiern", sagte Hohlefelder.

Als "schlicht geschmacklos" bezeichnete er eine Anzeige des Bundesumweltministerium, die am Freitag mit dem Bild eines Liegestuhls vor dem Atomreaktor in zahlreichen Zeitungen erschien. Darin hieß es: "Was macht Jürgen Trittin heute? Abschalten! AKW Stade geht vom Netz". Der E.ON-Aufsichtsratschef erklärte dazu: "Er tut überhaupt nichts, wir schalten ab". Kritik dazu kam auch von Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU). Trittin werfe "mit nicht zu überbietender Dreistigkeit" Steuergelder in gut sechsstelliger Höhe zum Fenster hinaus, um die Abschaltung Stades zu feiern.