Trotz "Druschba"-Blockade: Ölpreis deutlich gefallen - DER SPIEGEL
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Trotz "Druschba"-Blockade Ölpreis deutlich gefallen

Gelassen haben die internationalen Ölmärkte auf die zeitweise Lieferunterbrechung aus Russland reagiert. Trotz der Blockade der "Druschba"-Pipeline ist der Ölpreis heute leicht gefallen.
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Frankfurt am Main - Nachdem der Ölpreis während der Blockade der "Druschba"-Pipeline am Montag leicht gestiegen war, sank er heute im asiatischen Handel sogar deutlich unter das Niveau des Vortages auf 55,63 Dollar je Barrel. "Das ist nicht verwunderlich. Öl ist auch in Deutschland ausreichend im Markt", sagte eine Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands am Dienstag in Hamburg. Die Märkte hätten sich von den Meldungen über die Pipeline eher unbeeindruckt gezeigt: "Wir haben normale Bewegungen gesehen."

Seit Jahresbeginn hat der Ölpreis, der im vergangenen Sommer noch bei 80 Dollar notierte, um gut zehn Prozent nachgegeben. Auch kurzzeitige Unwägbarkeiten, wie der Lieferstopp des russischen Öls, können den Trend offenbar nicht umkehren. So sind wegen des milden Winters in den Hauptverbraucherländern die Lager gut gefüllt und auch die potenziellen Konfliktherde scheinen vorerst entschärft. Experten zufolge spricht vieles dafür, dass der Ölpreis für die nächste Zeit auf dem aktuellen Niveau verharrt.

"Das warme Wetter interessiert offenbar an den Ölmärkten weitaus mehr als alle politischen Konflikte", sagte auch Andy Sommer, Ölanalyst von der Hamburger HSH Nordbank der "Frankfurter Rundschau". Die Händler rechneten mit einem warmen Winter und daher mit einem niedrigen Verbrauch.

Weitere Preissenkungen erwartet

Auch die Verbraucherschützer erwarten keine unmittelbaren Auswirkungen der Lieferunterbrechung auf die Heizöl- und Kraftstoffpreise. "Der Ölpreis bildet sich auf dem Weltmarkt, und um den zu beeinflussen, ist dies ein zu singuläres Ereignis", sagte der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel. Langfristig seien Auswirkungen allerdings dann möglich, wenn sich aus der Unterbrechung der Ölimporte eine "massive energiepolitische Krise" entwickelt. "Dann könnte es Folgen haben", betonte der Experte. Vor allem Spekulationen könnten den derzeit stark gesunkenen Ölpreis dann steigen lassen.

Ökonomen verschiedener europäischer Wirtschaftsforschungsinstitute hatten Ende vergangenen Jahres die Erwartung geäußert, dass der Rohölpreis nach dem Anstieg von 29 Prozent im vergangenen Jahr nunmehr in den nächsten zwölf Monaten um etwa neun Prozent zurückgehen werde. Bei einer zu erwartenden Abschwächung der Spekulationen an den Rohstoffmärkten angesichts steigender Zinssätze würden die kurzfristigen Preistrends mehr und mehr durch die fundamentalen ökonomischen Daten beeinflusst, hieß es zur Begründung. Mit einem erwarteten langsameren globalen Wirtschaftswachstum schwäche sich die Rohstoffnachfrage ab.

Dennoch bleibt die Auseinandersetzung zwischen der russischen und der weißrussischen Regierung über den Preis für Rohöl und Erdgas ein ernstzunehmendes Alarmsignal. Klaus Matthies vom Hamburger HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung sagte der "FR", die Lieferunterbrechung aus Russland zeige, dass eine stärkere Diversifizierung des Einkaufs nicht schlecht wäre. Aktuell sei das weltweite potenzielle Ölangebot aber wieder deutlich höher als noch vor einem Jahr.

mik/AP/ddp