Trotz Finanzkrise: Boomländer halten Export in Gang - DER SPIEGEL
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Trotz Finanzkrise Boomländer halten Export in Gang

Entspannung beim Eurokurs, dicke Auftragspolster: Trotz der Abkühlung der Konjunktur im Euro-Raum und zunehmender Risiken auf den Weltmärkten zeigt sich die deutsche Wirtschaft nach wie vor robust. Entscheidende Triebfeder bleibt der Export.
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Wiesbaden/Berlin - China und Indien entwickeln sich zu Konjunkturlokomotiven. "Wichtige Handelspartner in der Euro-Zone zeigen eine konjunkturelle Schwäche, die aber durch das dynamische Geschäft mit Drittländern aufgefangen wird", erklärte der Präsident des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner. So steigerten die Exporteure im Juli nach Angaben des Statistischen Bundesamts ihre Ausfuhren in Länder außerhalb Europas um zehn Prozent.

Ölfässer: Exporteure arbeiten derzeit noch ihre dicken Auftragspolster ab

Ölfässer: Exporteure arbeiten derzeit noch ihre dicken Auftragspolster ab

Foto: DPA

Insgesamt verkauften sie Waren im Wert von 87,1 Milliarden Euro, das waren sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Gegenüber dem Vormonat sank die Steigerungsrate der Ausfuhren leicht um 1,7 Prozent. Grund dafür war die geringere Nachfrage aus den schwächelnden europäischen Nachbarländern, der starke Euro und die hohen Ölpreise.

Der Trend beim Export wird in den kommenden Monaten wohl nach unten zeigen. "Der große Boom beim Export ist vorüber", sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. Bislang zeige sich die deutsche Konjunktur aber widerstandsfähig.

Laut BGA arbeiten die Exporteure derzeit noch ihre dicken Auftragspolster ab. Der Bundesverband erwartet für das Gesamtjahr einen soliden Exportzuwachs von sechs Prozent. Auch den Titel des Exportweltmeisters dürfte Deutschland 2008 voraussichtlich wieder verteidigen. Der Euro sank wegen der sich eintrübenden Konjunktur knapp unter 1,41 US-Dollar. Dies ist ein Wettbewerbsvorteil für deutsche Firmen, weil der starke Euro Waren im außereuropäischen Ausland bislang übermäßig verteuert hatte. Wegen der kräftigen Zunahme der Einfuhren sank der Überschuss der deutschen Handelsbilanz - als Saldo von Exporten und Importen - gegenüber Vorjahr von 18,1 auf 13,9 Milliarden Euro. Die Importe stiegen vor allem wegen der höheren Preise für Erdöl, Erdgas und Strom um 15,7 Prozent.

Auch die Bauindustrie zeigt sich vorsichtig optimistisch. Nach jahrelanger Talfahrt sei 2008 mit einer durchschnittlichen Umsatzzunahme um vier Prozent und 2009 um 2,5 Prozent zu rechnen, teilte der Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Hans-Peter Keitel, in Berlin mit. Bei Baupreissteigerungen von zwei bis drei Prozent bedeute dies ein reales Wachstum um 1,0 Prozent in diesem und 0,5 Prozent im nächsten Jahr.

Die Auftragsbücher im Wirtschaftsbau und durch staatliche Investitionen seien sehr gut gefüllt, sagte Keitel. Dagegen habe sich der Wohnungsbau anders als erhofft bisher nicht vom tiefen Einbruch im vergangenen Jahr erholt. 2008 werde die Zahl der Beschäftigten am Bau um 1,6 Prozent auf rund 700.000 weiter sinken. Dies liege nicht an fehlenden Stellen, sondern am Fachkräftemangel.

Neben dem Export lieferte das Bundesamt am Dienstag gute Nachrichten von den Insolvenzen. Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ging im ersten Halbjahr - infolge der bis zu Jahresbeginn florierenden Konjunktur - um 8,3 Prozent auf 14.650 zurück.

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen sank sogar um 9,8 Prozent. Hier wurden 48.466 Fälle gemeldet. Die offenen Forderungen der Gläubiger betrugen 14,7 Milliarden Euro, im Vorjahreszeitraum waren es 16,0 Milliarden Euro.

Die Veränderungsraten wurden aufgrund der Daten aller Bundesländer bis auf Nordrhein-Westfalen berechnet. Hintergrund ist, dass die 2007er Daten aus diesem Bundesland nicht immer korrekt den einzelnen Monaten zugeordnet sind, so dass ein unbereinigter Vergleich einen falschen Trend aufzeigen würde.

mik/dpa-AFX/Reuters