Trotz Gefängnishaft: Chodorkowski beschimpft Putin - DER SPIEGEL
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Trotz Gefängnishaft Chodorkowski beschimpft Putin

Seit mehreren Wochen sitzt Michail Chodorkowski in einem Häftlingslager in Sibirien ein, doch einschüchtern kann ihn das offenbar nicht. In einer Zeitung warf der Gründer des Öl-Konzerns Jukos dem russischen Präsidenten Wladmir Putin politisches Versagen vor.
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Moskau - Putin stehe einem Apparat von Schmarotzern vor, die unfähig seien, das Land zu modernisieren, schrieb Chodorkowski in der russischen Wirtschaftszeitung "Kommersant". "Dieser parasitäre Ansatz funktioniert nicht mehr." Die anstehenden Probleme seien noch immer nicht gelöst, deshalb sei ein politischer Wechsel die einzige Lösung.

Seiner Vorstellung nach sollte in Russland ein föderales System etabliert werden, so Chodorkowski weiter. So sollten den Regionen mehr Kompetenzen zugebilligt werden. Der Staat müsse sich darauf konzentrieren, Familien zu fördern und mehr Geld für Bildung und Wissenschaft ausgeben, anstatt sich nur auf seine Energiereserven zu verlassen.

Neben dem Artikel war ein Foto abgebildet, auf dem Chodorkowski mit rasiertem Kopf und in schwarzer Häftlingsuniform zu sehen ist. Der 42-jährige sitzt derzeit in einem sibirischen Straflager ein. Der einst reichste Mann Russlands ist wegen Steuerhinterziehung und Betruges zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Beobachter bezeichneten den Schuldspruch wiederholt als politisch motiviert - Chodorkowski hatte Ambitionen auf das Präsidentenamt erkennen lassen. Die Moskauer Regierung wies jede Einflussnahme zurück. Nach Regierungsdarstellung ist Chodorkowski ein unehrlicher Geschäftsmann, der sich als politischer Märtyrer darstelle, um von seinem Fehlverhalten abzulenken.