Trotz Gewinn: Börsianer strafen Premiere ab - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Trotz Gewinn Börsianer strafen Premiere ab

Der Bezahlsender Premiere hat im vergangenen Jahr einen Gewinn verbucht. Marktbeobachter geben sich dennoch enttäuscht. Auch eine Kooperation mit dem Deutschen Sportfernsehen bei der Champions-League-Übertragung kann die Börsianer nicht besänftigen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München/Unterföhring - Premiere verbuchte im abgelaufenen Jahr ein Nettoergebnis von 48,7 Millionen Euro nach einem Verlust von 80,6 Millionen Euro im Vorjahr, wie das Unternehmen heute mitteilte. Die Kundenzahl konnte der Kanal von 3,2 Millionen auf 3,6 Millionen steigern. Der Umsatz kletterte um 9,1 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

Zur Zukunft des Bezahlfernsehsenders, der im Dezember die Pay-TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga ab der kommenden Saison verloren hatte, äußerte sich Vorstandschef Georg Kofler allerdings nur vage. "Insgesamt ist Premiere für den künftigen Wettbewerb im Fernsehmarkt solide und flexibel positioniert", sagte Kofler lediglich.

In einer ersten Einschätzung werteten Analysten die vorgelegten Zahlen dann auch als  "eher dürftig". Ein Beobachter bemängelte, dass immer noch keine Aussagen zur Strategie im Anschluss an die laufende Bundesligasaison gemacht worden seien. Die Kündigungen hätten sich allerdings in Grenzen gehalten, was positiv zu  werten sei. "Zu bedenken ist aber auch, dass da der große Schlag erst noch kommt ", sagte der Analyst. "Bisher ist noch kein Ausblick auf das laufende Gesamtjahr veröffentlicht worden", monierte ein anderer Händler. "Für die aktuelle Kursentwicklung sind die Aussichten auf 2006 entscheidend, nicht die Zahlen von 2005".

Entsprechend ging der Kurs der Premiere-Aktie zum Handelsauftakt auf Talfahrt. Das Papier verlor knapp fünf Prozent.

Unbeeindruckt zeigten sich die Märkte auch von einer Kooperation des Bezahlkanals mit dem Deutschen Sportfernsehen (DSF). Das DSF überträgt ab der kommenden Saison erstmals Champions-League-Spiele. Das EM.TV-Tochterunternehmen und Premiere verständigten sich nach eigenen Angaben auf eine dreijährige Zusammenarbeit. Premiere werde unter der Marke "Champions TV" ab der Spielzeit 2006/2007 an jedem Spieltag eine europäische Top-Begegnung der Champions-League live und unverschlüsselt im DSF präsentieren, sagte ein EM.TV-Sprecher heute in Unterföhring.

Nach Koflers Worten wird mit "Champions TV" eine neue Marke als "Keimzelle für die Free-TV-Aktivitäten des Senders" etabliert. "Dabei werden wir uns mittelfristig auf den Sportbereich konzentrieren", fügte er hinzu. Premiere hatte sich vom europäischen Fußballverband Uefa erstmals die Champions-League-Rechte für das Pay- und das Free-TV gesichert. Bis zum Ende der jetzigen Saison laufen die Spiele noch bei Sat.1.

suc/ddp/Dow Jones Newswires/dpa-AFX

Mehr lesen über