Trotz Inflationsrisiko Estland kann den Euro einführen
Brüssel - Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, Estland im kommenden Jahr in die Euro-Zone aufzunehmen. "Estland hat einen hohen Grad an dauerhafter wirtschaftlicher Konvergenz erreicht und ist für die Einführung des Euro am 1. Januar 2011 bereit", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Die übrigen acht Kandidaten fielen durch.
Die Kommission bescheinigte Estland, alle Kriterien erfüllt zu haben. Die Europäische Zentralbank (EZB) äußerte dagegen Vorbehalte gegen den Beitritt. "Insgesamt gibt es Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit, mit der Estland das Konvergenzkriterium Inflation erfüllen kann", teilte die Notenbank in Frankfurt mit.
Die EZB und die EU-Kommission erstellen alle zwei Jahre unabhängig voneinander einen Bericht, in dem sie die Euro-Beitrittsanwärter beurteilen. Die Konvergenzkriterien sehen vor, dass das Defizit eines Landes drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht übersteigen darf und die Staatsschulden nicht höher als 60 Prozent des BIPs sein dürfen. Zudem müssen Inflation und Zinsen niedrig sein.
Die endgültige Entscheidung treffen die EU-Finanzminister im Juli. Zuvor muss das Europäische Parlament Stellung nehmen und die EU-Staats- und Regierungschefs werden das Thema auf ihrem Gipfeltreffen im Juni erörtern.
Auch die EZB bescheinigte dem Land mit 1,3 Millionen Einwohnern, die Beitrittskriterien zu erfüllen, äußerte jedoch Zweifel, dass Estland seine sehr niedrige Inflationsrate halten kann, wenn nach der Krise der wirtschaftliche Aufholprozess wieder einsetzt. "Wenn die Phase der Anpassung vorüber ist, dürfte es angesichts des geringen Spielraums der Geldpolitik schwierig werden, die Teuerungsrate niedrig zu halten. Der Aufholprozess dürfte die Inflation in den kommenden Jahren antreiben, vor allem wenn man berücksichtigt, dass die Wirtschaftsleistung pro Kopf und das Preisniveau in Estland nach wie vor niedriger sind als in der Euro-Zone."
Bulgarien, Tschechien, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, Rumänien und Schweden erfüllten nicht alle Euro-Kriterien, teilte die EU-Kommission mit.