Trotz Krise Opel meldet Rekord-Absatz
Rüsselsheim - Trotz der unklaren Zukunft verzeichnet Opel einen Absatz-Rekord. Wie der Hersteller am Montag mitteilte, werden im laufenden Monat bundesweit voraussichtlich mehr als 40.000 Fahrzeuge verkauft. "Es ist der beste Monat seit fünf Jahren", sagte Vertriebschef Thomas Owsianski.
Opel-Mitarbeiter in Rüsselsheim: Absatz-Boom dank Abwrackprämie
Foto: DDPAllein am vergangenen Wochenende habe das Unternehmen 2000 neue Fahrzeuge verkaufen können. "Die Verkäufe laufen sehr gut", sagte auch Albert Still, Inhaber der AVAG-Gruppe und einer der größten Opel-Händler Europas. Die Autohäuser seien voll: "Wer jetzt kommt, setzt bewusst ein Zeichen."
Opel machte für die guten Absatzzahlen unter anderem die Abwrackprämie der Bundesregierung verantwortlich. Das Opel-Stammwerk in Rüsselsheim laufe auf Hochtouren, um der Nachfrage gerecht zu werden.
An der schwierigen Lage im Unternehmen ändern aber auch die guten Absatzzahlen nichts. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz erklärte, er habe keine Hoffnung mehr auf eine Sanierung ohne Stellenabbau. "Das wird nicht ohne Schaden gehen und auch nicht ohne Arbeitsplatzabbau. Das sage ich klipp und klar und ohne Illusionen."
In den laufenden Verhandlungen mit dem Management fordern die Arbeitnehmervertreter, dass auf Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden müsse.
Für die Rettung von Opel wird nun die Suche nach einem privaten Investor immer wichtiger. Das gleiche gilt für die andere europäische General-Motors-Tochter Saab in Schweden. Sowohl die IG Metall in Deutschland als auch die schwedische Regierung machten den Einstieg eines privaten Investors zur Voraussetzung für ihr jeweiliges Engagement.
Armin Schild, Opel-Aufsichtsrat und Frankfurter IG-Metall-Chef, schlug eine teilweise Herauslösung von Opel aus dem schwer angeschlagenen amerikanischen Mutterkonzern General Motors vor. Damit soll erreicht werden, dass sich andere an Opel beteiligen können, ohne dass die Verbindungen zu GM vollständig gekappt werden.
Das Management von GM Europa werde dem Aufsichtsrat am Freitag einen Überlebensplan vorlegen, der nach den Vorstellungen der Gewerkschaft "eine Perspektive für Opel als europäischer Konzern unter Beteiligung Dritter enthalten" werde, sagte Schild. Opel solle sich um einen weiteren Anteilseigner bemühen. Eine Herauslösung wäre auch Voraussetzung für staatliche Finanzhilfe, etwa in Form von Garantien.
"Wir wollen nicht einfach auf Löhne verzichten"
Eine vollständige Trennung von GM wäre angesichts der Verflechtung beider Unternehmen und der globalen Struktur der Automobilindustrie "weder sinnvoll noch nötig", sagte Schild.
Als Partner käme ein anderer Hersteller in Frage, "der Stärken hat, wo Opel Schwächen hat, und der Schwächen hat, wo Opel Stärken hat". Namen wollte Schild nicht nennen. Daimler und BMW hatten bereits einen Vorschlag von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt zurückgewiesen, der eine gemeinsame Rettungsaktion aller Autobauer für Opel erreichen wollte.
Laut Schild kommt für Opel als Rechtsform eine Aktiengesellschaft nach deutschem oder europäischem Recht in Frage. Dies würde auch einen Beitrag der Mitarbeiter in Form einer Arbeitnehmerbeteiligung erleichtern. "Wir wollen ja nicht einfach auf Löhne verzichten. Aber natürlich wissen wir, dass eine Restrukturierung möglicherweise auch die Arbeitnehmer in Anspruch nehmen wird", sagte Schild.
Opel mit seinen über 25.000 Beschäftigten und Standorten in vier Bundesländern strebt von der Bundesregierung einen Bürgschaftsrahmen von 2,6 Milliarden Euro statt bisher 1,8 Milliarden Euro an. Die Arbeitnehmer sollen zudem 700 Millionen an Kürzungen akzeptieren. Insgesamt wird der Finanzierungsbedarf von Opel auf 3,3 Milliarden Euro beziffert. Bund und Länder machen die Gewährung von Staatshilfen von der Vorlage eines tragfähigen Sanierungskonzepts durch den traditionsreichen Rüsselsheimer Autobauer abhängig.
Regierungssprecher Thomas Steg mahnte zur Zurückhaltung bis zur Vorlage eines Konzepts. Meldungen über vermeintliche Zahlungsschwierigkeiten führten dazu, dass die Lage komplizierter und schwieriger würde. Steg sagte auf die Frage, ob die Bundesregierung Opel auch fallenlassen könnte, die Bundesregierung habe sehr schnell Gesprächsbereitschaft signalisiert. "So etwas macht man nicht, um jemandem dann die kalte Schulter zu zeigen." Man habe immer deutlich gemacht, wenn ein Konzept vorliege, wolle man auch helfen.
Mehrere Interessenten für Saab
Im Fall Saab sagte Schwedens Industrieministerin Maud Olofsson, der Staat sei nur zu staatlichen Kreditgarantien bereit, wenn das Unternehmen einen privaten Investor finde. Der Staat sei nicht dazu da, einen Autobauer zu besitzen, bekräftigte sie. "Wir brauchen gesicherte Eigentumsverhältnisse, die Verantwortung für den Geschäftsplan tragen, damit Saab 2012, 2013 profitabel sein kann." Saab-Chef Jan-Ake Jonsson sagte der Tageszeitung "Dagens Industri", nach dem Insolvenzantrag in der vergangenen Woche hätten sich mehrere Kaufinteressenten gemeldet.
Aus deutscher Sicht spielt Saab allerdings keine entscheidende Rolle mehr. "Für uns gibt es nur eine Zukunftsperspektive, und die liegt in einem europäischen Modell", sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Franz. Das bedeute eine Abtrennung von Saab. "Was übrig bleibt in Europa ist Opel und unsere Schwestermarke Vauxhall in England." Das sei der Kern des Vorschlags der Arbeitnehmervertreter im Opel-Aufsichtsrat für den von der Bundesregierung verlangten Sanierungsplan.
Um die überlebenswichtige Abspaltung von der insolvenzbedrohten US-Mutter General Motors zu erreichen, ist der Autobauer Opel nach Betriebsratsangaben vorübergehend auf staatliche Einlagen angewiesen. "Wir brauchen die Einlagen, um die Fragen der Liquidität und des Eigenkapitals zu sichern und um mit diesen Einlagen die Grundlage zu liefern, dass GM Anteile von Opel abgibt", sagte Franz. Wegen der Automobilkrise habe derzeit kein potentieller Investor aus der Branche Geld auf der hohen Kante, um bei Opel einzusteigen. Hilfen sollten von den Ländern, dem Bund und anderen nationalen Regierungen in Europa kommen, in denen Opel Standorte hat.