Daimler-Benz-Aerospace Tucker geht
Nach dem vorzeitigen Bekanntwerden des Sparprogramms »Dolores« bekommt Dasa-Chef Manfred Bischoff neue Probleme. Sein Vorstandskollege John R. Tucker, 48, Chef der Triebwerkstochter MTU, will das Unternehmen spätestens zum Jahresende verlassen. Bischoff muß nun einen Ersatzmann für den schwierigen Job suchen. Der gebürtige Amerikaner Tucker war im Juli 1994 von dem früheren Dasa-Chef Jürgen Schrempp nach München geholt worden, um dem Dasa-Vorstand mehr internationales Flair zu verleihen. Der Dasa-Boß hatte den quirligen Manager bei einer US-Tochter des Schwesterunternehmens AEG entdeckt und schätzengelernt. Doch der Versuch, erstmals einem Amerikaner die Führung eines großen deutschen Konzerns zu übertragen, schlug fehl. Tucker, dessen Familie noch immer in Pittsburgh lebt, wurde in Bayern nie heimisch. Außerdem eckte er mit seiner hemdsärmeligen Art bei den MTU-Ingenieuren häufig an. Zusätzlich verunsichert wurde Tucker dadurch, daß Dasa-Chef Bischoff das Triebwerksgeschäft nicht nur, wie bislang bekannt, in eine Gemeinschaftsfirma mit dem Konkurrenten BMW/ Rolls-Royce einbringen will. Bischoff ist inzwischen sogar bereit, MTU München komplett an BMW/Rolls-Royce zu verkaufen.