TUI-Hauptversammlung "Affront gegen Aktionäre"
Hannover - Fondsmanager Ulrich Gierse von Union Investment, die knapp fünf Prozent des TUI-Kapitals vertritt, bemängelte: "Die Ertragskraft ist noch ungenügend." Der Zukauf im Ausland habe nicht zu einer sinnvollen Verschmelzung der Aktivitäten geführt. Konzerneigene Billiganbieter würden die Gewinnmargen im höherwertigen Bereich von Urlaubsreisen gefährden.
Ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fragte: "Wäre der Billigflieger Hapag-Lloyd Express nicht besser unter dem Dach der Hapag-Lloyd anzusiedeln gewesen?" Auch kritisierte er die aus seiner Sicht ungenügende Transparenz der TUI-Bilanzen. Zu viele einmalige Faktoren würden das Gesamtbild vernebeln. Internationale Vergleichsunternehmen, die wie TUI an der Börse notiert sind, zeigten bereits 2003 Erholungstendenzen bei den Aktienkursen, sagte Fondsmanager Gierse weiter: "Nur die TUI nicht." Der Konzern sei zu einem Leichtgewicht im Dax geworden, hieß es bei den Aktionärsvertretern, die das Management dafür verantwortlich machten.
Eklat um Hapag-Lloyd
Entgegen der ursprünglichen Planung ließ die TUI ihre Aktionäre nicht über den beabsichtigten Börsengang von Hapag-Lloyd abstimmen. Nach einem neuen Urteil des Bundesgerichtshofs obliege die Entscheidung über den Verkauf eines Unternehmensteils in der "hier angegebenen Größenordnung" alleine dem Vorstand der Gesellschaft, hieß es.
Frenzel sagte lediglich, TUI wolle Hapag-Lloyd in der zweiten Jahreshälfte als reines Schifffahrtsunternehmen an die Börse bringen. Rund ein Drittel der Aktien soll platziert werden. Grundsätzlich schloss er auch einen Verkauf nicht aus. Ein konkretes Angebot für die Tochter liege derzeit aber nicht vor.
Die anwesenden Aktionäre reagierten empört. Bei dem Börsengang forderten sie eine Beteiligung. Auch die kurzfristige Absetzung der Abstimmung zu der Emission stieß auf Unverständnis. Die sei ein "Affront" gegen die Anteileigner und werde den Aktienkurs weiter belasten, prophezeite Fondsmanager Gierse. Prompt gehörte die Aktie bis zum Nachmittag mit einem Minus von 1,5 Prozent auf rund 16,50 Euro zu den größten Kursverlierern.
Vorstandsgehälter unter Beschuss
Erst einmal in Fahrt, nahmen sich die Aktionäre auch die Vorstandsgehälter vor, die an die Entwicklung der Dividende gekoppelt sind. Für 2002 hatte die TUI zur Finanzierung einer unveränderten Dividende von 0,77 Euro wegen eines geringen Konzerngewinns Rücklagen aufgelöst.
"Entweder muss die Dividende an die wirtschaftliche Entwicklung oder die Gehälter an realitätsnahe Kriterien angepasst werden", sagte Gierse unter dem Beifall von Anteilseignern. Auch der Vertreter der DSW forderte die Änderung des Vergütungsmodells.
"Wir gehen unseren Weg konsequent weiter"
Unbeirrt von den Vorwürfen betonte Konzern-Chef Michael Frenzel, die TUI treibe den Umbau hin zu einem reinen Touristikkonzern inklusive Schifffahrtsparte weiter voran. Die Touristik sei ein "Zukunftsmarkt". Ob die alte Preussag heute noch Bestand hätte, "vermag ich zu bezweifeln", sagte der Vorstandschef.
Mit dem Verkauf der restlichen Energie-Aktivitäten der Tochter VTG und der Algeco sowie mit dem Hapag-Lloyd-Börsengang solle bis 2005 der Umbau abgeschlossen sein, sagte Frenzel. "Wir gehen unseren Weg konsequent weiter", hieß es.
Die Nettoverschuldung, die Ende 2003 bei 3,8 Milliarden Euro lag, will er bis Ende 2005 auf unter zwei Milliarden Euro drücken. Frenzel bekräftigte weiter, in der Touristik wolle die TUI 2004 das Ergebnis im "deutlich zweistelligen Prozentbereich" steigern. In der Sommersaison liege der Reisekonzern aktuell bei einem Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr von 3,3 Prozent. 2003 war in der Sparte Touristik das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) um fast 40 Prozent auf 208 Millionen Euro gesunken.