TV-Expansion: RTL kauft sich bei n-tv ein - DER SPIEGEL
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TV-Expansion RTL kauft sich bei n-tv ein

Im Internet hat Bertelsmann seine Expansion gestoppt, im Fernsehgeschäft wächst der Konzern weiter - zumindest ein bisschen. Über die Tochter RTL Group kauft er dem Holtzbrinck-Verlag die Beteiligungen am Nachrichtensender n-tv und einem dutzend Radiosendern ab.
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Luxemburg/Berlin - Mit einem Anteil von 47,3 Prozent ist die RTL-Group jetzt als Juniorpartner von AOL Time Warner im Boot. Der US-Medienkonzern, zu dem auch das n-tv-Vorbild CNN gehört, hält 49 Prozent an dem Berliner Kanal. Der Rest gehört n-tv-Gründer Karl-Ulrich Kuhlo und anderen Minderheitsaktionären. Die Übernahme der Holtzbrinck-Beteiligung durch RTL muss noch kartell- und medienrechtlich geprüft werden, auch müssen die Mitgesellschafter auf ihr Vorerwerbsrecht verzichten.

Mit dem Einstieg bei n-tv stärke die RTL Group ihre Kompetenz im Nachrichtenbereich und baue ihre Position als Deutschlands führende TV-Senderfamilie aus, hieß es in einer Mitteilung. n-tv hat 2001 einen Umsatz von 72 Millionen Euro erzielt und hält den Angaben zufolge einen Marktanteil von 0,7 Prozent am gesamten Zuschauermarkt. Weil der Sender 2001 einen Verlust von 15 Millionen Euro einfuhr, musste unter anderem in der Wirtschaftsredaktion rigide gespart werden. Seit das "deutsche CNN" vor zehn Jahren an den Start ging, hat der Sender nur in zwei Jahren schwarze Zahlen geschrieben.

Schätzungen zufolge zahlt RTL 130 Millionen Euro für den TV-Kanal, die Radiosender kosten demnach 40 Millionen. Die RTL Group, Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann, ist mit bisher 23 TV- und 14 Radiostationen in acht Ländern Europas größte Fernseh- und Radiogesellschaft. RTL erhofft sich offenbar von dem Zukauf Einsparmöglichkeiten bei politischen und wirtschaftlichen Nachrichten. Im Gegensatz zum zweiten großen Privatsenderblock in Deutschland, der zur insolventen KirchMedia gehörenden ProSiebenSat1 AG mit ihrer Tochter N24, besaß RTL bisher keinen eigenen Nachrichtenkanal.

Mit der Übernahme der Radio-Holding AVE von Holtzbrinck festigt die RTL Group nach eigenen Angaben ihre Position als umsatzstärkster Radiobetreiber in Deutschland. AVE halte Anteile an zwölf Sendern in mehreren Bundesländern, in denen die RTL Group im Radio bisher kaum aktiv gewesen sei. Damit dehne RTL seine Radio-Abdeckung auf alle Bundesländer außer Hessen und Schleswig-Holstein aus.

Der Holtzbrinck-Verlag zieht sich mit dem Verkauf vollständig aus den elektronischen Medien zurück. Die Übernahme ist nach Ansicht von Branchenkennern Teil eines Tauschgeschäftes zwischen Bertelsmann und der Stuttgarter Verlagsgruppe. Bei diesem Verschiebespiel wird Holtzbrinck im Gegenzug von der Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr die Regionalzeitungen wie die "Berliner Zeitung" übernehmen.