TV-Pläne: Springer erwägt Verkauf von Sat.1 oder ProSieben - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

TV-Pläne Springer erwägt Verkauf von Sat.1 oder ProSieben

Im Ringen um die Übernahme von ProSiebenSat.1 soll der Springer-Verlag zum Kurswechsel bereit sein: Einem Zeitungsbericht zufolge könnte das "Bild"-Zeitungshaus einen der beiden Sender wieder abstoßen, um das Kartellamt gnädig zu stimmen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Springer verhandele bereits mit einem ausländischen Unternehmen, das an einer Übernahme eines der beiden Sender interessiert sei, berichtet der "Tagesspiegel". Das Blatt beruft sich auf das Umfeld von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner. Mit einem Verkauf von Sat.1 oder ProSieben wolle der Verlag doch noch die Zustimmung des Bundeskartellamts für seine Expansionspläne erhalten. Von Springer war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Bisher hatte Döpfner abgelehnt, einen der beiden Sender wieder zu verkaufen.

Springer-Logo an der Verlagszentrale in Berlin: Zugeständisse kurz vor Fristablauf?

Springer-Logo an der Verlagszentrale in Berlin: Zugeständisse kurz vor Fristablauf?

Foto: DPA

Der französische Sender TF1 hatte bereits Interesse an einem Teileinstieg signalisiert. Auch der Bauer Verlag äußerte dem Branchendienst new-business zufolge "theoretisches Interesse" an einem Einstieg bei ProSiebenSat.1.

Zeitungsberichten zufolge ist nun auch eine Kommission im Gespräch, die die Aufsicht über die Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe und über die "Bild"-Zeitung ausüben soll, um so genannte "crossmediale" Vernetzungen zu verhindern. Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) befürchtet, dass Springer mit der "Bild"-Zeitung und dem Senderverbund die politische Meinungsbildung in Deutschland dominieren könnte.

Die KEK will am Dienstag über den Antrag Springers auf Übernahme von ProSieben und Sat.1 beraten. Die Medienwächter, die das Vorhaben unter Gesichtspunkten der Pressevielfalt prüfen, hatten ihre Zustimmung unter den Vorbehalt eines TV-Beirats für einen der beiden Sender gestellt, der weitreichende programmliche und wirtschaftliche Befugnisse erhalten soll. Döpfner erklärte seine Bereitschaft für einen Beirat mit Veto- und Kontrollrecht, lehnte aber eine Personal-, Inhalte- und Budgethoheit für das Gremium ab.

Grüne an Medienwächter: Jetzt nicht weich werden

Das Kartellamt, das bis zum 20. Januar entscheiden wird, signalisierte Ablehnung - es sei denn, Springer würde einen der beiden großen Sender wieder veräußern. Zuvor hatte Döpfner den Wettbewerbshütern angeboten, sich von rund 30 Zeitschriften und den Gemeinschaftsbeteiligungen mit Bertelsmann zu trennen und auf eine Vermarktung zwischen Print und TV sowie Werbung für "Bild" im TV-Konzern über das bisherige Maß hinaus zu verzichten.

Die Medienexpertin der Grünen im Bundestag, Grietje Bettin, appellierte an die KEK, nicht nachzugeben. Sie warnte, ein "weichgespültes Modell" würde die Glaubwürdigkeit des Kontrollgremiums in Frage stellen. KEK und Kartellamt versuchten, Meinungsvielfalt und Wettbewerb zu sichern. "Damit tun sie, was ihr Auftrag ist und arbeiten mit ihren verfügbaren Mitteln".

Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, die die Entscheidung der KEK mit Dreiviertel-Mehrheit kippen kann, wird am 31. Januar in Erfurt beraten, wie der Direktor der Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern, Uwe Hornauer, ankündigte. Am Freitag kommen die Mitglieder der Gemeinsamen Stelle "Digitaler Zugang" zusammen. Dabei werde jedoch noch keine Entscheidung getroffen, sagte der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, Reinhold Albert.

Christina Denz und Nathalie Waehlisch, ddp