TV-Poker Premiere meldet Interesse an ProSieben an
München - Premiere hält einen Einstieg bei ProSieben im Falle von dessen Ausgliederung aus dem Gesamtkonzern ProSiebenSat.1 für "grundsätzlich interessant". "Das würde zu den bisherigen Aussagen von Vorstandschef Georg Kofler passen, wonach eine Kombination von Free-TV und Pay-TV Sinn macht", sagte ein Premiere-Sprecher heute in München.
Springer hatte Mitte der Woche angeboten, den als profitabel geltenden Sender im Zuge der ProSiebenSat.1-Übernahme verkaufen zu wollen. Die Trennung von ProSieben gilt als Voraussetzung dafür, dass das Bundeskartellamt und die Medienkommission KEK dem Geschäft zustimmen.
Nicht nur Premiere gilt als potenzieller Käufer. Medienkonzerne aus dem Ausland warten schon lange auf eine Gelegenheit, in den deutschen TV-Markt einzusteigen. "Das anzuschauen ist jetzt für alle Pflicht", sagt Stefan Weiss, Medien-Experte der WestLB in London.
Ertragsperle des TV-Konzerns
Kein Wunder: ProSieben gilt als Ertragsperle des TV-Konzerns, zu dem außerdem Sat.1, Kabel1 und der Nachrichtensender N24 gehören. ProSieben kam 2005 in der Werbezielgruppe der 14- bis 49-Jährigen mit Spielfilmen wie "Spiderman", Serien wie "Desperate Housewives" und TV Total mit Stefan Raab auf einen Marktanteil von knapp zwölf Prozent. Der Sender machte einen Vorsteuergewinn in dreistelliger Millionenhöhe.
Es hätte sich bereits eine Reihe von Interessenten bei den Banken gemeldet, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Branchenkreisen. Es gebe auch schon Sondierungsgespräche, diese Verhandlungen seien aber noch in einer sehr frühen Phase. In der Vergangenheit wurde unter anderem General Electric (NBC), der Disney-Konzern, Viacom und der französische Sender TF1 als potenzielle Käufer genannt. Möglich ist auch der Verkauf an Finanzinvestoren wie zum Beispiel Permira. Permira ist bereits an Premiere und am TV-Konzern SBS beteiligt.
Analysten hatten den möglichen ProSieben-Verkaufserlös in den vergangenen Tagen auf 800 Millionen bis eine Milliarde Euro geschätzt. Die Beteiligten gehen aber dem Vernehmen nach von einem deutlich höheren Preis aus. Nach gängigen Berechnungen komme man wegen der Ertragsstärke von ProSieben auf einen Wert des Senders von bis zu 2,4 Milliarden Euro.
Kartellamt bleibt hart
Springer kann bei seinen Übernahmeplänen nicht auf ein Entgegenkommen des Bundeskartellamts hoffen. Im entscheidenden Streitpunkt beharren die Bonner Wettbewerbsaufseher auf ihrer Position. "Wenn ProSieben nicht vor Vollzug der Übernahme verkauft wird, ist eine Genehmigung definitiv nicht möglich", sagte Kartellamtspräsident Ulf Böge der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Springer hatte den Verkauf aus wirtschaftlichen und steuerlichen Gründen erst binnen eines Jahres nach der Übernahme der Sendergruppe angekündigt.
Unterdessen wollen die Landesmedienanstalten vorerst nicht gegen das Nein der Medienkommission KEK zur ProSiebenSat.1-Übernahme vorgehen. Zum jetzigen Zeitpunkt sähen sie keine Grundlage für ein entsprechendes Verfahren, teilten die Anstalten heute nach einer Sitzung in Berlin mit. Durch den von Springer angebotenen Verkauf von ProSieben würde ein neuer Sachverhalt eintreten, der die bisherigen Entscheidungsgrundlagen der KEK wesentlich verändern und zu einer Neubewertung führen müsste.
Springer hatte im August mit einem Konsortium um den amerikanisch-israelischen Investor Haim Saban die Übernahme der Mehrheit an ProSiebenSat.1 vereinbart. Die Transaktion steht unter Vorbehalt kartellrechtlicher und medienaufsichtsrechtlicher Genehmigungen.n.