TV-Shows Per Fernsehshow durch die Galaxis
Am Dienstag stellte die Kölner Produktionsfirma Brainpool ("Die Wochenshow" und "TV total") das Projekt mit ihrem Partner, dem Weltraumkonzern Astrium, in Bremen vor. Kandidaten aus fünf Ländern treten gegeneinander an. Einer von ihnen darf zum Schluss mit einer Sojus-Rakete zur Weltraumstation ISS. Sobald er zurückkommt, soll er als zusätzlichen Gewinn eine Million Mark erhalten. Welche Länder mitmachen, steht noch nicht fest.
Doch ehe die Kandidaten dort angelangt sind, haben sie schon eine langwierige Auswahlprozedur hinter sich. In jedem Teilnehmerland werden 60.000 Leute gecastet. Daraus werden 6000 Bewerber rekrutiert. Aus diesen dürfen dann 600 Bewerber an den Qualifikationsshows teilnehmen. Von ihnen qualifizieren sich wiederum 15 Kandidaten. Die Russen werden sie in ihrer "Space City" in der Nähe von Moskau auf Kosmonautentauglichkeit testen. Zum Schluss bleibt nur einer übrig. Die Zuschauer können sich über Telefon an mehreren Abstimmungen beteiligen.
Brainpool plant mit seiner extra gegründeten Space tv AG allein in Deutschland 100 Fernsehsendungen. Dazu gehören Quiz-, Game- und Action-Shows sowie Dokumentationen. Alle Informationen werden für das Internet und UMTS aufbereitet. Von 2002 bis 2008 hat Space tv mit Astrium einen Vertrag über sieben Weltraumflüge mit der Sojus-Rakete geschlossen. Brainpool-Chef Grabosch geht von 100 Millionen Produktionskosten allein für die Shows pro Land aus. Ein Weltraumflug kostet mindestens 25 Millionen Mark.
Warum müssen die Kandidaten im russischen Baikonur starten? "Hätten wir dieses Projekt mit den Amerikanern gemacht, hätten wir höchsten Junior-Partner sein 'dürfen'", erklärt Helmut Luttmann vom Astrium-Marketing.
Interessenten für eine kommerzielle Nutzung der Internationalen Raumstation ISS habe es laut Astrium-Vorstand Josef Kind mehrere gegeben. Ausgerechnet die mittelständischen Kölner haben den Zuschlag erhalten. Es sollte eine europäische Lösung sein. "Und es gibt einige Bewerber, auch aus Amerika, die jetzt sauer sind, dass wir nicht sie ausgewählt haben", verriet Kind.
Auf die Frage, ob es Brainpool-Chef Grabosch sexy fände, dass er mit seiner Show auf die Dächer von John de Mols Big-Brother-Container herabschauen kann, darauf wollte er nicht so recht antworten. Mit solchen Seitenhieben hält sich der gebürtige Westfale erst mal zurück. Immerhin muss er in Deutschland noch einen Sender suchen, auf dem sein Weltraum-Spektakel läuft. Sicher ist: Mit diesem Projekt macht sich Brainpool auf der Erde und der restlichen Galaxis einen Namen.