Tyco: Ex-Motorola-Chef soll's richten - DER SPIEGEL
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Tyco Ex-Motorola-Chef soll's richten

Der angeschlagene Mischkonzern Tyco International zieht einen überraschenden Trumpf aus dem Ärmel. Ein Sprecher gab die Verpflichtung des ehemaligen Motorola-Vorstandsvorsitzenden Edward Breen als Nachfolger von Dennis Kozlowski bekannt.
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Die Wahl Breens wurde an der Wall Street als brillanter Schachzug gewertet, denn der Manager hat einen hervorragenden Ruf. Er hatte bei Motorola, dem zweitgrößten Handyhersteller der Welt, seit Anfang des Jahres die Tagesgeschäfte geleitet und galt als Nachfolger von Motorola-Konzernchef Christopher B. Galvin.

Tyco musste einen neuen Unternehmenschef suchen, nachdem der langjährige Spitzenmanager und Verwaltungsratsvorsitzende L. Dennis Kozlowski im Juni plötzlich zurückgetreten war. Kozlowski ist wegen der angeblichen Hinterziehung von Verkaufssteuern in Höhe von einer Million Dollar bei Kunstkäufen in New York angeklagt worden.

Das Unternehmen ist wegen zahlloser Unternehmenskäufe mit 27 Milliarden Dollar verschuldet, und es gab immer wieder Fragen über die Buchführung Tycos. Die Aktien waren in diesem Jahr um 86 Prozent eingebrochen. Am Donnerstag waren der Kurs im Tagesverlauf wegen Konkursgerüchten um weitere 18 Prozent abgesackt, obwohl sich Tyco massiv dagegen zur Wehr gesetzt hatte. Sie schossen im nachbörslichen Handel nach der Breen-Ernennung um 25 Prozent auf 10,30 Dollar in die Höhe.

Breen war zuvor angeblich bereits die Führung der ebenfalls unter enormen Problemen leidenden Netzwerkausrüster Lucent Technologies und Nortel Networks angedient worden, doch hatte er abgelehnt.

Motorola war von dem plötzlichen Weggang Breens ebenso überrascht worden wie die Wall Street. Das Unternehmen ernannte umgehend Mike Zafirovski zum neuen Präsidenten. Er war bisher Leiter der Handy-Sparte. Dies gab Motorola-Unternehmenschef Galvin bekannt. Das Ausscheiden Breens wurde von der Wall Street als herber Verlust für Motorola gewertet. Die Motorola-Aktien sackten nachbörslich von 12,18 Dollar auf 10,70 Dollar ab, nachdem sie im regulären Handel bereits um 9,5 Prozent gefallen waren.

Breen war im Jahr 2000 zu Motorola gekommen. Er war Chef des Kabel-Komponentenherstellers General Instrument, der von Motorola übernommen worden war. Bei Motorola brachte er die ihm unterstellten Sparten durch Massenentlassungen und massive Kostensenkungen rasch auf Vordermann.

Breen kündigte an, in den kommenden Wochen einen spezifischen Aktionsplan für Tyco zu entwickeln, um das Vertrauen in die Firma wieder herzustellen und die Kerngeschäfte zu stärken.

Tyco hat einen Umsatz von rund 36 Milliarden Dollar und ist der weltgrößte Anbieter von Einbruchs- und Feuer-Warnsystemen sowie Hersteller von elektronischen Komponenten und Spezialventilen. Auch die Verlegung von Unterseekabeln, medizinische Produkte und Kunststoffe gehören zum Produktportfolio Technologiekonzerns. Tyco hat rund 255 000 Beschäftigte.