UBS-Manager Ospel "Ich schäme mich!"
Zürich - Für die Finanzbranche war es ein Schock: Gestern teilte die Schweizer Großbank UBS mit, dass ihr erstmals in ihrer Geschichte ein Verlust drohe. Insgesamt müsse man zehn Milliarden Dollar wegen der weltweiten Kreditkrise abschreiben. Heute hat sich Marcel Ospel, der Präsident des Verwaltungsrates, öffentlich bei den Aktionären entschuldigt: Er übernehme die Verantwortung für das milliardenschwere Debakel.
"Wir sind erschüttert, ich persönlich schäme mich, dass wir so etwas produziert haben", sagte Ospel in einem Interview der "Neuen Zürcher Zeitung". Er gehe aber davon aus, "dass wir gestärkt aus diesem Erlebnis hervorgehen".
Ob dem wirklich so ist, bezweifeln Beobachter. In der Schweizer Presse ist die UBS das Top-Thema. "Ein Vertrauensverlust wohlhabender Privatkunden und institutioneller Adressen" könnte das Finanzinstitut "nachhaltig erschüttern", schreibt die "NZZ". Die "Basler Zeitung" bezeichnet Ospel als verantwortlich für die "fatalen Folgen".
Auch der "Tages-Anzeiger" aus Zürich sieht das Vertrauen massiv angeschlagen. Dies gelte erst recht mit Blick auf die neuen Großinvestoren, vor allem aus Singapur. Bei dem Land handle es sich um ein Staatswesen, "das westlichen Demokratiestandards nicht standzuhalten vermag", schreibt die Zeitung. Es sollte "zu denken geben", dass mit dem Stadtstaat Singapur einer der größten Konkurrenten für den Finanzplatz Schweiz UBS-Großaktionär wird, sagte der St. Galler Wirtschaftsprofessor Beat Bernet.
Dagegen erachtet die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) die UBS weiter als gut kapitalisiert. Mit den angekündigten Kapitalzuflüssen erreiche die Großbank eine im internationalen Vergleich sehr gute Eigenmittelausstattung.
Finanzminister Hans-Rudolf Merz macht sich derweil Sorgen um drohende Steuerausfälle. Indirekt treffe die weltweite Hypothekenkrise über die UBS auch die Bundeskasse. "So wie sich die voraussichtlichen Ergebnisse der UBS präsentieren, kommt es im nächsten Jahr zu Steuerausfällen im Umfang von mehreren 100 Millionen Franken", sagte Merz in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen.
wal/dpa